Georg M. Oswald (Bild: Peter von Felbert / Piper Verlag )
Peter von Felbert / Piper Verlag
Bild: Peter von Felbert / Piper Verlag

- Georg Oswald: Das Grundgesetz richtig verstehen

Die 19 ersten Artikel des Grundgesetzes stehen nicht nur für den rechtlichen, sondern auch für den ethischen Kern unseres Zusammenlebens. Der Münchner Schriftsteller und Anwalt Georg Oswald hat in seinem Buch "Unsere Grundrechte" den Versuch unternommen, das hochkonzentrierte Verfassungsdeutsch in gut verstehbare Alltagssprache zu übersetzen. Inforadio-Redakteur Christian Wildt sprach mit ihm.

"Altertümelnd, unverständlich, vage" fand Oswalds Sohn den Originaltext des Grundgesetzes. Diesen Eindruck hätten viele Leser des Gesetzestextes, auch Oswald selbst habe sich so als Schüler gefühlt. Im Jurastudium wurden ihm einige Begriffe dann klarer. Sein eigenes Buch über das Grundgesetz habe er seinem Sohn gewidmet, den er auch für den idealen Leser halte.

Wessen Rechte sind wichtiger?
Die Würde des Menschen sei gleich in Artikel 1 verankert und ist ein zentraler Begriff für das Menschenbild, auf dem das Grundgesetz basiert. Dabei seien die Grundrechte in erster Linie Abwehrrechte gegen den Staat, so Oswald, sie regeln die Befugnisse des Staates gegenüber den Menschen, die in ihm leben.

Grundrechte können sich auch widersprechen, sich auch scheinbar gegenseitig aufheben. Gegenwärtig würden auch Hass, Hetze und Beleidigungen unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit transportiert. In Streitfällen gelte es deshalb auch, abzuwägen - wer hat wann und warum Vorrang in seinem Recht?

Grundgesetz ist veränderbar
Das Grundgesetz ist nicht in Stein gemeißelt, sagte der Autor. So sei in den 90er Jahren das Asylrecht mit jeweils Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat verändert worden. Ebenso stehe es den Menschen in Deutschland frei, in einem Referendum das Grundgesetz sogar gänzlich abzuwählen, wenn sie damit nicht mehr einverstanden sind.

"Das Grundgesetz ist in der Bevölkerung nicht wirklich bekannt und wird nicht wirklich gelesen", stellt Oswald fest. Zusätzlich habe man, wenn man das Grundgesetz läse, danach oft ein Gefühl der Enttäuschung, dass vieles von dem Geschriebenen so im Alltag nicht einträfe: "Was im Grundgesetz so nicht für jeden erkennbar steht, das ist, dass diese Rechte erst ihre Wirkung entfalten in der Achtung der Rechte der anderen", sagte Oswald. "Das ist eigentlich der Kerngedanke, der die Grundrechte so wertvoll macht."

Buchtipp:
Georg Oswald
"Unsere Grundrechte"
Piper Verlag, 2018
208 Seiten