Constantin Schreiber (Bild: rbb/ Matthias Bertsch)
rbb/ Matthias Bertsch
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- Constantin Schreiber: Was muslimische Schüler lernen

Der Tagesschau-Moderator Constantin Schreiber gilt als Kenner der arabischen Welt. Als Jugendlicher hat er mehrere Jahre in Syrien gelebt, spricht fließend Arabisch. Nach seinem Buch "Inside Islam" hat Schreiber nun eine neue Recherche vorgelegt: "Kinder des Koran -  Was muslimische Schüler lernen", für die er Schulbücher aus islamischen Ländern untersucht hat. Welche Schlüsse er daraus zieht, erzählt er Inforadio-Reporter Matthias Bertsch.

Schreiber hat etwa 100 Bücher gesichtet, die in arabischen Ländern wie dem Iran, der Türkei, Afghanistan und Saudi-Arabien gedruckt wurden. Fünf Bücher stellt er in seinem Buch näher vor.

Teils erwartbare Stereotype und Vereinfachungen
Gefunden hat er dort teils erwartbare Haltungen: So würden Frauen und Mädchen abgewertet und auf Äußerlichkeiten reduziert. Doch dies - so könne man argumentieren - würde sich auch in westlichen konservativen Geselschaften finden. Dennoch wurden bestimmte Inhalte mit religiösen Regeln argumentiert, beispielsweise, wen Frauen und Mädchen anschauen dürfen und wen nicht.

Stärker fiele Antisemitismus ins Gewicht - unter anderem sei von "zionistischen Banden" in einigen Büchern die Rede gewesen, die Säuglinge zum Spaß ermorden. Die ganze Welt dieser Bücher sei in schwarz und weiß geteilt, sagte Schreiber - in eine Welt aus Muslimen und anderen. Überraschend wäre dies nicht immer, doch natürlich stehe die Frage im Raum, inwieweit würden sich bestimmte Vorurteile auch bestätigen? "Da muss man sagen: wenn man sich die Schulbücher anschaut- nein, es ist keine Vorurteile", sagte der Journalist.

Ideologische Inhalte - nicht harmlos, nicht irrelevant
Es sei allerdings zu unterscheiden: was nehmen die Schülerinnen und Schüler überhaupt aus den Büchern mit? Ähnlich wie in der DDR müsse nicht jede Ideologie wortgetreu übernommen werden, sagte Schreiber. Kinder und Jugendliche würden auch zum Teil in stille Opposition oder innere Gegenwehr gehen. Ideologische Inhalte seien nur eines nicht: irrelevant. Dies zeige sich auch in Befragungen von Menschen, die ihre Schulzeit in autoritären Regimen verbracht hätten. Sie hätten im Seniorenalter noch Elemente aus dieser Zeit präsent, die mit Angst und emotionalem Druck verbunden gewesen sind, sagte Schreiber.

Es reiche nicht, so der Moderator, dass die Inhalte in den Büchern nur ignoriert oder als konservativer Zeitgeist verharmlost würden. "Es ist aber trotzdem Teil eines Problems, denn so lange Leute diesen Inhalten nicht widersprechen, sind sie ja präsent. Also was geschehen müsste ist [...], dass solche Inhalte nichts in Schulbüchern zu suchen haben." Gegenrede und Gegenhaltungen müssten auch Raum bekommen, sich auszudrücken. "Es sagt etwas über den Mainstream aus, der so stark ist, dass sich keiner traut, dagegen in irgendeiner Weise zu rebellieren."

Inhalte zirkulieren über Landesgrenzen
Jene Inhalte, die Schreiber gefunden hat, machen nicht vor Landesgrenzen Halt. "Das, was sich in den Schulbüchern findet, wird auch zum Beispiel über Medien transportiert, über Zeitungen, Clips im Internet." Diese wirken dann auch überregional, eben da, wo Muslime lebten. Es seien Inhalte, mit denen sich auch die Zuwanderungsländern beschäftigen müssten, da sie vor Ort genauso wirken.

Buchtipp:
Constantin Schreiber
"Kinder des Koran. Was muslimische Schüler lernen"
Econ Verlag, 304 Seiten
18 Euro