Florian Schröder (Bild: imago images/ Malte Ossowski/ Sven Simon)
imago images/ Malte Ossowski/ Sven Simon
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- Florian Schroeder: Der philosophische Blick auf die Welt

Die "Florian Schroeder Satire Show" ist nicht die einzige Fernsehsendung des erfolgreichen Berliner Kabarettisten, aber sie ist wieder am Dienstag bei uns im rbb-Fernsehen zu sehen. Ein Heimspiel also für Schroeder, der auch wöchentlich bei der Schwesterwelle RadioEins auftritt. Redakteur Christian Wildt wollte von Schroeder erfahren, wie seine sehr politischen Kolumnen und Programme zustande kommen.

Wenn man etwas erzähle, was jeglicher Fakten entbehre, dann mache man nur Comedy, sagte Schroeder. "In dem Moment, wo ich irgendetwas mache, was gesellschaftspolitische Relevanz hat oder was eine Aussage treffen soll über die eigene Zeit, dann muss ich mit Fakten spielen. Da muss ich eine Basis haben, da muss ich den Leuten erklären, worüber ich rede. Alles andere wäre sonst Meinung."

Angelehnt an Hegel sagte er: Satire ist die eigene Zeit in Pointen erfasst. Er arbeite aber nicht mit Zorn oder Hass als Basis - diese Art von Texten würden eher zu jener Art von Empörung verleiten, die man selbst kritisiere. "Ich gucke eher mit einem Blick der Verwunderung auf die Welt, ich gucke oft mit einem Blick der Überraschtheit, oft mit der Enttäuschung, der Melancholie auf die Welt und versuche das dann zu übersetzen in etwas Lustiges", sagte der Kabarettist. Oft gelängen jene Sachen am besten, mit denen er am meisten hadere.

"Ich versuche, mich nicht der Empörung hinzugeben"

Sein Publikum sei ein dankbares - aber es sei auch etwa so, als ob man zu ohnehin Bekehrten predigen würde, sagte Schroeder. "Da kommt natürlich keiner hin, der sagt: Bisher habe ich die AfD gewählt, aber jetzt höre ich mir mal den Schroeder an, vielleicht lasse ich es dann bleiben." Er arbeite dann mit Uneindeutigkeit und Irritation - und indem er die vermeintliche Aufgeklärtheit des Publikums zum Thema macht. In seiner Show werde er selbst zur Figur des naiven "Gutmenschen" und zeige durch Übertreibung dem Publikum, dass auch sie Fehler hätten. Mit dieser Entlarvung zu arbeiten, sei befreiend für ihn.

Seinen Look mit Krawatte statt Halstuch sei eine Bühnenfigur, privat kleide und gäbe er sich anders. "Wie der Handwerker einen Blaumann anzieht, so ziehe ich einfach Anzug und Krawatte an. Da bin ich eine Figur, da traue ich mich mehr. Da kann ich mehr machen - da bin ich der andere." Einige Zuschauer könnten aber den Unterschied zwischen Satire, Ironie und Fakten nicht sehen. Sie beschwerten sich oder verließen den Saal.

Sein Programm habe immer ein Grundthema, aktuell sei dies "Gut und Böse". Aber seine Show sei nicht dazu da, am Abend die Zeitung vom Morgen zu rezipieren. "Ich versuche immer, ein philosophisches Moment da reinzukriegen, weil das ist eigentlich mein Blick auf die Welt." Eine politische Karriere könne er sich derzeit aber nicht vorstellen, obwohl es durchaus Comedians gibt, die in der Politik Erfolg haben. "Ich wäre da vollkommen falsch aufgehoben", sagte Schroeder. Denn als Politiker wäre er ständig auf der Hut, müsste viel mehr Rücksicht nehmen.

Fernsehtipp: Die Florian Schroeder Satire Show
rbb Fernsehen
Dienstag, 21. Mai 2019
22:45 bis 23:30 Uhr

Kabarettist und Gastgeber Florian Schroeder präsentiert ein Mal mehr Abseitiges und Humoriges vom Feinsten. In der Show kommt zusammen, was zusammen gehört. Die Talks haben mittlerweile Kultstatus. Zu Gast dieses Mal ist die 26-jährige CDU-Nachwuchshoffnung Philipp Amthor. "Anstalt"-Legende und Polit-Kabarettist Urban Priol durchkämmt derweil gewohnt klug und bissig die aktuelle Lage. Abgerundet wird die Show durch einen Live-Auftritt von Bosse. Das neuestes Album des Braunschweigers hat unmittelbar die Spitze der Charts erreicht. Launig kommentiert und assistiert wird das Treiben wie gewohnt von Comedian Nils Holst.
Diese Show ist Kult in Berlin - ausverkauft und garantiert mit Starbesetzung. Radio, Fernsehen, Internet - in Zeiten von Facebook, YouTube und WhatsApp setzt der rbb mit dem Berliner Politkabarettisten Florian Schroeder auf das Echte, das einzig Wahre, das Unverfälschte - und das nur einen Steinwurf entfernt vom Kanzleramt.