Sherry Hormann, Almila Bagriacik, Aram Arami, Rauand Taleb und Sandra Maischberger bei der Premiere des Kinofilms "Nur eine Frau"Foto: imago/Nicole Kubelka
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- Kinofilm über Hatun Sürücü: "Sie wollte einfach selbstbestimmt leben"

Die Moderatorin Sandra Maischberger hat ihren ersten Kinofilm produziert. "Nur eine Frau" erzählt die Geschichte von Hatun Sürücü, die 2005 in Berlin von ihrem Bruder ermordet wurde. Sie wurde umgebracht, weil sie sich aus einer Zwangsehe gelöst hatte und versuchte, sich ein freies Leben aufzubauen. Zurück blieb ihr fünfjähriger Sohn. "Nur eine Frau" zeigt Hatun Sürücü und ihre Sicht auf diese Tragödie. Im Gespräch mit unserem Filmexperten Alexander Soyez berichtet Maischberger von ihrer persönlichen Betroffenheit.

Der Film "Nur eine Frau" ist am Donnerstag in die Kinos gekommen: Er handelt von einer wahren Begebenheit, dem Mord an Hatun Sürücü, einer jungen Frau, die entgegen der Tradition ihrer Familie, ein freiheitliches Leben führen wollte. Ihr Bruder war der Täter.

Sandra Maischberger hat den Film produziert. "Ich kannte den Fall, als Journalistin, von der nachrichtlichen Seite", berichtet sie im Inforadio. "Meine komplette Leerstelle war sie, war die junge Frau, die da erschossen auf der Straße lag."

Der Spielfilm ermögliche eine emotionale Wucht und gebe Hatun Sürücü eine Stimme, sagt Maischberger. Es war die Idee, sie wieder zum Leben zu erwecken und die Fragen zu beantworten: Wie würde sie es sehen, was ihr passiert ist? "Mit einer gewissen Rotzigkeit und mit einer Wut redet sie über ihr Leben und über alles, was ihr passiert ist."

Kein "Ehrenmord", sondern Mord

Der Begriff "Ehrenmord" für die Tat sei aber falsch, findet Maischberger. Er erhebe etwas Schreckliches. "Ein Mord im Namen der Ehre ist etwas, was bei einigen den Widerhall hat: Es ist gerechtfertigt." Hinzu komme der stigmatisierende Begriff Opfer: "Diese junge Frau war eigentlich kein Opfer, sie war eine lebenslustige, eine lebenshungrige, unfallsbar kraftvollle Frau."

Der Sohn von Hatun Sürücü war zur Tatzeit fünf Jahre alt. Er schlief in seinem Bett, während seine Mutter schnell ihren Bruder zur Bushaltestelle begleiten wollte - bevor er sie auf der Straße erschoss. "Wir wissen nicht, wo er heute ist", sagt Maischberger über den Jungen, der heute volljährig ist. Seine Mutter hatte verfügt, dass er zu einer Pflegefamilie kommen sollte, falls ihr etwas zustoßen würde.

"Die Regisseurin Sherry Hormann hat immer gesagt, sie stellt sich vor, dass dieser junge Mann vielleicht ins Kino geht und etwas über seine Mutter erfährt", berichtet Maischberger.

 

Kinofilm "Nur eine Frau"

2018-2019 Deutschland

Regie: Sherry Hormann

Drehbuch: Florian Öller

Hauptrolle: Almila Bagriacik

Produzentin: Sandra Maischberger

Filmstart am 9. Mai 2019