Katarina Niewiedzial. (Bild: dpa/ Carsten Koall)
dpa/ Carsten Koall
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- Katarina Niewiedzial: "Ich spiele gerne mit Identität"

Bisher hat sie sich um Migranten und Zuwanderer in Pankow gekümmert, ab Mai hat Katarina Niewiedzial die ganze Stadt im Blick. Die 41-Jährige ist Berlins neue Integrationsbeauftragte - dabei kann die gebürtige Polin auf ihren eigenen Erfahrungen beim Ankommen in Deutschland zurückgreifen. Wie sie die für ihr Amt nutzen will, darüber hat Nina Amin aus der Berliner landespolitischen Redaktion mit ihr gesprochen.

Einen Integrationsbeauftragten hat Berlin seit den 80er Jahren, doch Niewiedzial ist die erste, die auch selbst einen Migrationshintergrund hat. Sie versteht ihre Besetzung daher auch als politisches Signal.
Mit 12 Jahren kam Niewiedzial aus Polen nach Deutschland, ihre Eltern zogen nach Bremerhaven. Auf ihre Herkunft wird sie heute relativ selten angesprochen, doch wenn es passiert, "gehöre sie zu denen, die gerne mit der Identität spielen", sagt Niewiedzial.
 
Sie habe einen anderen Blick auf Integration und Migration - schlichtweg, weil sie sie selbst erlebt habe. "Ich weiß, dass es gerade am Anfang nicht einfach ist", sagt Niewiedzial. Ihr Vater hätte ihnen als Kinder zum Start in Deutschland den Satz beigebracht: "Jeder Anfang ist schwer."

Weg von den Zufällen hin zur Systematik
Der Satz habe sie begleitet - denn sie sprach anfangs kein Deutsch, hatte ihre Freunde in Polen zurückgelassen, die Schule war ihr fremd. Mit der Zeit hat sie eine weitere Hürde bemerkt: Der Blick von außen auf Menschen wie sie - Menschen, die aus dem Ausland kommen. "Der hat mich tatsächlich etwas gestört, weil das immer problembehaftet war", sagt die Berliner Integrationsbeauftragte.

Sie selbst habe aber viel Unterstützung auf ihrem bisherigen Weg erfahren. Auch glückliche Zufälle spielten eine Rolle. Doch sie möchte weg von den "glücklichen Zufällen" in der Integrationspolitik - stattdessen will sie das Ankommen systematisch fördern.

Persönlich sei ihr aufgefallen, dass es auf ihrer eigenen beruflichen Laufbahn immer weniger Menschen um sie herum gab, die wie sie einen Migrationshintergrund haben. Im öffentlichen Dienst müsse man "mit einer Lupe danach suchen" - auch, weil der Migrationsstatus nicht erfasst werde. Dennoch nimmt sie eine Repräsentationslücke wahr, die der Realität Berlins und seiner Einwohnerinnen und Einwohner nicht gerecht wird.