Prof. Dr. Gustav Horn, Direktor a.D. am Institut für Makroökonomie und Konjukturforschung IMK. (Bild: imago images/IPON)
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- Ökonom Gustav Horn: Nur formal im Ruhestand

Wie entwickelt sich die Wirtschaft künftig? Darauf hat Gustav Horn viele Jahre lang Antworten gegeben - er gehört zu den rennomiertesten Konjunkturforschern des Landes. Von 2005 an leitete er das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung in Düsseldorf und ist Anfang April in den Ruhestand gegangen. Doch so ruhig ist es dort gar nicht, hat Horn im Gespräch mit Inforadio-Wirtschaftsreporter Karsten Zummack verraten.

Er sei immer noch Mitglied in vielen Beratungsgremien, so Horn. "Und ich interessiere mich natürlich auch weiterhin für Wirtschaft. Das heißt, ich werde schon noch die neuesten Wirtschaftsdaten verfolgen." Er lebe aber nun schon ein wenig entspannter, ohne ein enges Terminkonzept.

Der Ökonom arbeitete zunächst 18 Jahre lang am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. 2005 war er dann Mitbegründer des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stifung - und das IMK wurde anfangs von Kollegen angefeindet, erzählt Horn: "Damals war eine Zeit sehr harter Auseinandersetzung. Es ging damals zum Beispiel um die Agenda 2010, es ging überhaupt um die Sichtweise, wie eine Ökonomie funktioniert: Ob der Staat aktiv sein sollte, ob er sich zurücknehmen sollte, ob man die Märkte deregulieren oder stärker regulieren sollte." Und in dieser angespannten Atmosphäre hätten die meisten Kollegen die Gründung des IMK nicht begrüßt oder gar willkommen geheißen.

In den vergangenen Jahren habe sich die Sichtweise unter Ökonomen jedoch grundlegend verändert .- insbesondere bei den jüngeren Kollegen, so Horn. "Wir hatten zwischendurch eine Finanzmarktkrise, die aus der Deregulierung dieser Märkte entsprang - wir hatten eine Eurokrise, die genau aus den Gründen entsprang, die wir vorhergesagt haben." Und das habe die Sichtweisen nachhaltig beeinflusst. "Ich glaube, dass die Auseinandersetzungen heute wesentlich milder sind", sagte Horn. "Die Fronten verlaufen nicht mehr so gerade und die Gräben sind auch teilweise zugeschüttet."