Archiv: Architekt Van Bo Le-Mentzel 2017. (Bild: dpa/ picture alliance/ Paul Zinken)
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- Van Bo Le Mentzel: Stadt der Zukunft mit Tiny Houses

Dieser Mann hat eine Vision und die heißt "Tiny Houses". Van Bo Le-Mentzel möchte Berliner in solchen kleinen Häusern auf Rädern zusammen bringen und neue Anstöße für unser Zusammenleben geben. Seine jüngste Aktion: Ein kleines Dorf auf Zeit - mitten in der Stadt, auf einem großen Parkplatz. Inforadio-Redakteur Christian Wildt wollte mehr über das Projekt wissen.

Tiny Houses - kleine kompakte Häuser - sind schon seit einigen Jahren zu bewundern. Auf wenigen Quadratmetern entsteht ein gemütlicher, verschachtelter Raum für wenig Geld. Doch ein ganzes Dorf aus Tiny Houses? Das will der Architekt Van Bo Le-Mentzel am Samstag auf dem Parkplatz eines Möbelhauses in Lichtenberg errichten. Dahinter steht der Gedanke, dass es in Deutschland und auf der ganzen Welt Infrastrukturen gäbe, deren Potential man noch nicht ideal nutze. Der Kundenparkplatz, von dem 19 Parkbuchten für das Experimental-Dorf genutzt würden, stehe am Sonntag und zu bestimmten Zeiten schlichtweg leer. Diese temporär oder langfristig leerstehenden Flächen mit Leben zu füllen, sei eines seiner großen Interessen, so Le-Mentzel.

Um ein solches Dorf zu bauen, braucht es einer Menge Genehmigungen und Zustimmungen - aber auch eines öffentliches Diskurses rund um die Themen Wohnraummangel, Gentrifizierung, adäquater Unterbringung von Geflüchteten und Ausweichquartieren für Schulen. Neben den Unterstützern gäbe es auch Kritiker, so Le-Mentzel, die sagen: Die Tiny Houses zögen durch ihre Hipness erst recht die Gentrifizierung an.

Archiv: Tiny House Bauhaus Campus in Berlin im Jahr 2017. (Bild: dpa/ Alexander Heinl)
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Miteinander statt von oben nach unten
Doch die Wohnungsnot in Studentenstädten wie Göttingen sei sehr real, so der Architekt. Dort würden junge Menschen in Turnhallen schlafen, weil sie kein WG-Zimmer fänden. Wohnen für unter 400 Euro wird auch in anderen Städten immer mehr zum Problem. "Wir können jetzt nicht warten, bis in zehn Jahren die ersten bezahlbaren Wohnbauten entstehen", so der Architekt. Hinter dem kleinen Parkplatz-Dorf stehe so auch die Frage, wem die Stadt eigentlich gehöre und wer über den öffentlichen Raum bestimmt? Wer macht hier die Spielregeln? So weiß Le-Mentzel von engaierten Bürgern zu berichten, die durch freiwillig angelegte Begrünungen Ärger mit der Parkordnung bekommen hätten.

Auf dem neuen Dorfanger sollen neben Shops und Cafés auch Kitas, Schulen und Werkstätten entstehen. "Dieses Miteinander, dass Menschen gemeinsam miteinander eine Stadt bauen, das ist eine Vision, die ich habe. Dass man nicht so einen Masterplan machen muss von oben nach unten", sagte der Dorfkurator. Dabei ließen sich auch die Prozesse dieses Miteinanders im Experimental-Dorf besser nachvollziehen. Denn der schönste Idealismus kann an praktischen Fragen scheitern, weiß Le-Mentzel. Man müsse hier mit positivem Vorbild vorangehen - nicht mit Gesetzen, sondern mit Kulturtechniken müsse man erreichen, dass jeder Einzelne Verantwortung übernimmt.

Am Samstag eröffnet nicht nur das Parkplatz-Dorf, sondern auch eine vierwöchige Ausstellung. Diese kann von Mittwoch bis Sonntag besucht werden gegen ein Eintrittsgeld von fünf Euro, das zur Refinanzierung des Häuserbaus dient. Begleitet wird das Experiment von sogenannten "Küchengesprächen", bei denen Entscheiderinnen und Entscheider aus Politik und Zivilgesellschaft in den Küchen der Tiny Houses zusammenkommen und über Themen wie Vereinsamung, Gentrifizierung und Enteignung sowie die Stadt der Zukunft diskutieren.