Heide Oestreich (Bild: Karo Krämer)
Karo Krämer
Bild: Karo Krämer

- Heide Oestreich: 40 Jahre Zeitpunkte

Das Frauenmagazin des rbb-Kulturradios "Zeitpunkte" gibt es tatsächlich schon 40 Jahre. 1979 sendeten die Redakteurinnen das allererste Mal aus der Masurenallee. Was sie damals wollten und was sie heute für wichtig halten, hat Inforadio-Redakteur Christian Wildt von Zeitpunkte-Macherin Heide Oestreich erfahren.

Die Zeitpunkte-Redaktion 1979 im Studio; v.l. Tina Stock, Maria Heiderscheidt, Fedele Simshäuser, Anne Quirin, Magdalena Kemper (Quelle: rbb)
Die "Zeitpunkte"-Redaktion 1979 | Bild: rbb

Zu ihrem Startzeitpunkt 1979 war die Sendung ein Novum, erzählt Oestreich. Damals wollte der Sender Freies Berlin (SFB) mehr "Betroffene" - in diesem Fall Frauen - ins Programm einbeziehen. Gesendet wurde das Magazin zur "Frauen-Prime-Time" am Vormittag, denn da - so wurde es in den mit Männern besetzten oberen Etagen erdacht - sei die Frau doch zu Hause, bügele die Wäsche und lausche gerne Ratgebertipps.

Zu Beginn bestand das Team der "Zeitpunkte" aus drei bis vier Redakteurinnen. Zu ihnen gehörten im Laufe der Geschichte des Magazins auch die spätere taz-Chefin Bascha Mika oder die Fernsehmoderatorin Anne Will. Ebenso dabei waren zwei Schneiderinnen, eine Dolmetscherin und eine Meteorologin. Die Leitfrage des Programms lautete: "Frauen - was wollt ihr?" Damals eine eher ungewöhnliche Frage, denn es war üblich, dass Männer die Welt erklärten. Auch bei Themen wie Abtreibung saß keine Frau mit am Tisch. "Zeitpunkte" wollte zudem genau hinsehen - man sei "Aufklärungs- und Reflektionsradio" gewesen und sei es weiterhin, sagt Oestreich. Redakteurinnen hätten so auch quasi über einem Gynäkologenstuhl gehangen um dort eine Reportage über Verhütung aufzunehmen. Oestreich erinnert sich auch an eine Langzeitstudie über eine einstige Teenager-Mutter mit ihrem kleinen Sohn, zu der bis heute Kontakt bestehe.

Die Zeitpunkte Redaktion 2009; v.l. M. Kemper, D. Thormälen, L. Lange, H. Kalnbach, D. Kattner ©
So sah die Redaktion 2009 aus. | Bild: rbb

Junge und wütende Generation Feministinnen

Mittlerweile habe sich das Magazin gründlich gewandelt, von einer "Stimme für Betroffene" habe man sich distanziert. Es gäbe noch immer viel zu tun - auch wenn eine Frau heute Kanzlerin werden kann.

Oestreich beobachtet eine junge, feministische Generation, die dafür sorgt, dass Themen wie #metoo oder Ungleichheit bei der Bezahlung es bis in die Talkshows der Nation schafften. Es ginge um eine Generation junger Frauen, die meinen, alles zu können und in der Schule mühelos mitkämen - und dann erleben, dass im Berufsleben doch eher Männer gefördert werden oder ein Kind einen Karriere-Killer darstellt. Viele dieser Frauen seien wütend, denn ihnen sei etwas anderes erzählt worden, so Oestreich. Eine Frauenredaktion sei deshalb weiterhin notwendig: "Wenn Sie sich angucken, dass in den Talkshows manchmal Wolfgang Kubicki und Sophia Thomalla über Genderthemen reden, dann sehen Sie, dass es gut ist, wenn es Fachredaktionen gibt, die wissen, worum es eigentlich wirklich geht", sagt Oestreich.

Die heutige Gesellschaft sei keine rein patriarchale mehr. Aber sie sei geprägt von einer "Dramatisierung der Polarität zwischen den Geschlechtern", in der Männer und Frauen ihre fixen, zugeordneten Eigenschaften hätten. "Wir sind dazu da, darauf aufmerksam zu machen, dass dahinter Geschlechterbilder sitzen. Die sind mal zu einem bestimmten Zweck erfunden worden und die wirken auf eine unheilvolle Art nach - bei Männern und genauso bei Frauen."