Jaroslav Rudis (Bild: imago/CTK Photo)
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- Jaroslav Rudiš: "Ich will das Verbindende betonen"

Dass unser Nachbarland Tschechien weit mehr zu bieten hat als Bier, Kneipen und Kafka, lässt sich ab Donnerstag auf der Leipziger Buchmesse sehen. In diesem Jahr ist Tschechien Gastland. Der tschechische Schriftsteller und Dramatiker Jaroslav Rudiš lebt in Berlin. Sein aktuelles Werk "Winterbergs letzte Reise" ist für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Nadine Kreuzahler hat mit Jaroslav Rudiš gesprochen.

Es ist eine spannende Reise quer durch Osteuropa: Der 99-jährige Wenzel Winterberg lässt sich von seinem Pfleger Jan Kraus per Zug durch Mittel -und Osteuropa begleiten. Beide begeben sich auf die Suche nach Winterbergs verlorener Liebe – von Berlin nach Sarajevo über Reichenberg, Prag, Wien und Budapest.

Dass die Protagonisten mit der Eisenbahn reisen, hat nicht nur mit dem fortgeschrittenen Alters des Seniors zu tun: "Ich bin selbst ein leidenschaftlicher Bahnfahrer und Eisenbahner, ich habe von diesem Beruf als Kind immer geträumt", erzählt Rudiš. Immerhin waren auch sein Opa und der Onkel bei der Bahn. "Doch dann hat es leider nicht geklappt, ich habe mit 13 eine Brille bekommen und besuchte dann in meiner böhmischen Heimat das Gymnasium, um die deutsche Sprache und Literatur zu erlernen."

"Selbst das Pilsner ist eine böhmisch-bayrische Geschichte"

Doch die Eisenbahn hat nicht nur in Rudiš' Kindheit eine große Rolle gespielt: "Sie prägt unseren Teil von Mitteleuropa, sie ist ein Teil unserer Geschichte, ein Teil, der uns verbindet", betont der Autor.

Die Verbindung zwischen den verschiedenen Kulturen in der Mitte unseres Kontinents, sie will der Tscheche mit seinem literarischen Wirken unterstreichen. Und damit auch gegen den Strom des Populismus ankämpfen, der auch in seiner tschechischen Heimat um sich gegriffen hat: "Wenn wir in die Gegenwart schauen, müssen wir auch immer die Vergangenheit im Blick behalten. Dieser ganze Populismus in Mittel-Osteuropa macht mich traurig", bemerkt er.

In Tschechien werde gerne die antideutsche Karte gespielt  - nicht nur gegen Sudetendeutsche, auch gegen Angela Merkel und ihre Flüchtlingspolitik. Oft werde dann die heldenhafte tschechische Geschichte heraufbeschworen, "dabei funktioniert tschechische Geschichte gar nicht ohne österreichische, polnische, ungarische und deutsche Geschichte", wie Rudiš betont. Selbst das vielgerühmte tschechische Bier aus Pilsen sei eine Verbindung verschiedener Kulturen: "Der erste Braumeister, der in Pilsen 1842 das Bier revolutioniert hat, kam aus Bayern."

Infos zum Buch:

Jaroslav Rudiš: Winterbergs letzte Reise
544 Seiten, Hardcover, 24,00 €