Archiv: Oskar Lafontaine bei einer Plenarsitzung des Saarländischen Landtags Mitte Februar 2019 in Saarbrücken. (Bild: imago/ BeckerBredel)
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- Oskar Lafontaine: "Der Bruch mit der SPD ist mir sehr schwer gefallen"

Vor 20 Jahren ist der damalige Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine über Nacht vom Regierungsamt und als SPD-Parteivorsitzender zurückgetreten. Er begründete den Schritt mit "schlechtem Mannschaftsspiel" im Kabinett Schröder. Seit Lafontaines Ausstieg ging es der SPD immer schlechter und links von ihr etablierte sich neue Konkurrenz: "Die Linke", maßgeblich geprägt von Lafontaine. Heute ist er Fraktionschef im Saarländischen Landtag und spricht mit Ulrich Hauck aus der Redaktion Landespolitik des saarländischen Rundfunks.

Zurückgetreten sei er, so Lafontaine, weil er immer eine Mehrheit für soziale Gesetzgebung im Bundestag gewollt habe. Doch der neoliberale Zeitgeist, der aus seiner Sicht seit 20 Jahren vorherrscht, wäre zu mächtig gewesen. Dieser hätte auch den Niedergang vieler sozialdemokratischer Parteien in Europa befördert und US-Präsident Donald Trump an die Macht gebracht. Den Vorwurf des "Verräters" aus den Reihen der SPD nach seinem Rücktritt wies er zurück: "Das hat mich nie sonderlich gejuckt." Er habe den Sozialdemokraten geantwortet: "Ihr habt das Programm verraten. Das müsst ihr entscheiden, wer der Verräter ist."

Lafontaine hatte gehofft, er könne die SPD mit seinem Rücktritt zu einer Kurskorrektur zwingen. "Der Bruch mit der SPD ist mir sehr schwer gefallen. Das ist ja eine Narbe die auf Dauer bleibt", sagte er. Die SPD beginne erst jetzt, ihre Fehler der letzten 20 Jahre zu korrigieren. Er verstehe sich jedoch nicht als Spalter - viel eher, sagte Lafontaine, war er es, der Grüne und SPD sowie PDS und WASG zusammengeführt hätte.

"Aufstehen" sei nicht gescheitert
Die Sammlungsbewegung "Aufstehen", die von Lafontaine und seiner Frau Sahra Wagenknecht (Die Linke) im September 2018 gegründet wurde, sei nicht gescheitert. Es basiere jedoch alles auf ehrenamtlicher Arbeit, die Bewegung bekäme keine Zuschüsse oder Steuergelder, die eine Organisation tragen könnten. "Das geht nicht von heute auf morgen", sagte Lafontaine.

In Bezug auf Europa wolle er, dass alle die gleichen Chancen haben. "Ich wollte immer ein Europa nach dem Vorschlag von Thomas Mann: ein europäisches Deutschland und nicht, dass Deutschland in Europa praktisch bestimmt - was in den letzten Jahren der Fall war. Ein deutsches Europa wollte ich nicht."   

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