Archiv: Susanne Stumpenhusen auf dem Landesparteitag SPD Berlin im Mai 2014. (Bild: imago)
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- Stumpenhusen: "Beschäftigte wären verdammt gerne stolz auf ihre Leistungen"

Susanne Stumpenhusen stand fast 20 Jahre lang an der Spitze der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di für Berlin und Brandenburg. Mit 63 Jahren wollte sie als Chefin nicht noch einmal zur Wahl antreten. In ihrer Amtszeit hat Stumpenhusen massive  Personalkürzungen im öffentlichen Dienst erleben müssen, die auch zu massiven Serviceeinbußen für die Bürger führten. Inforadio-Reporter Ansgar Hocke traf sie.

"Ich kann auch ziemlich sauer werden, wenn man mich provoziert", sagte Stumpenhusen. Dazu hätte sie allen Grund gehabt während ihrer Amtszeit, als unter der Regierung Wowereit die Stadt nicht nur hochverschuldet war, sondern auch im Öffentlichen Dienst gespart und Stellen abgebaut wurden. "Das war die wildeste, die bewegendste Zeit", sagt die damalige ver.di-Chefin heute, denn die Gewerkschaft habe viele Mitglieder verloren und Vertrauen eingebüßt. Doch mittlerweile seien die Mitgliederzahlen seit November 2018 dreistellig gestiegen. Vor allem junge Menschen wenden sich wieder an Gewerkschaften.

Wie der Sparkurs in den Berliner Behörden nachwirkt
Der einstige Sparkurs sei immer noch spürbar für Berliner Bürgerinnen und Bürger, die manchmal lange auf Geburts- oder Sterbeurkunden warten müssten und dadurch finanzielle Einbußen erlebten. Trotz der volleren Kassen sei damals nicht in die Stellenplanentwicklung investiert worden, sagte Stumpenhusen. Die Stadt wäre rasant gewachsen, doch es sei in den Behörden wenig getan worden in Sachen Ausbildung sowie Nachfolge- und Wissensmanagement: "Die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst wären verdammt gerne stolz auf ihre Leistungen. Auf das, was sie für die Daseinsvorsorge tun. Aber wenn sie so miserabel ausgestattet sind wie sie es bisher waren, dann fällt das in der Tat schwer."

Neben dem Öffentlichen Dienst sehe sie auch Handlungsbedarf im Einzelhandel. Hier seien viele Frauen beschäftigt, oft ohne Tariflohn und in Teilzeit. Stumpenhusen befürwortet deshalb auch die Grundrente: "Wie sollen diese Frauen im Alter von ihrer Rente eigentlich leben können? Das ist ein Armutsprogramm." Dem neuen Berliner Feiertag - dem Internationalen Frauentag - am 8. März kann sie nicht viel abgewinnen. Die Menschen zögen sich dadurch ins Private zurück, es gäbe für ver.di weniger Aktionsmöglichkeiten in Betrieben. In diesem Jahr werde so der Equal-Pay-Day am 18. März 2019 zum Anlass um über die Entgeltungleichheit von Frauen und Männern zu diskutieren.

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