Petra Hoyer, ehemalige Leiterin des Berliner Verbands der Unternehmerinnen. (Bild: Henning Ross)
Henning Ross
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- Unternehmerin Petra Hoyer: "Ich bin ein Machertyp"

Die Ostberlinerin Petra Hoyer hat nach dem Fall der Mauer nicht lange gezögert: Gleich im Januar 1990 gründete sie ihren Baustoffhandel. Ihr Kind war damals knapp zwei Jahre alt, wurde in der Krippe betreut. Petra Hoyer konnte so Karriere machen, hat sich im Handel und bei der Konkurrenz durchgesetzt. Sie engagierte sich darüber hinaus in Sachen Mode und leitete den Berliner Verband der Unternehmerinnen. Ute Holzhey hat sie getroffen.

"Ich bin ein Machertyp, ich gestalte gerne, ich entwickle gerne, ich bewege mich gerne vorwärts." Petra Hoyers Energie steckt geradzu an. Die Ostberlinerin hat einen traditionellen Männerberuf gelernt - "Baufacharbeiter mit Abitur". Die Bezeichnung "Baufacharbeiterin" sei ihr nicht wichtig. Sie empfand ihre Ausbildungsjahre als spannend. Die Frage, ob sie als Frau auf dem Bau fehl am Platz wäre, kam ihr nie: "Ich hatte auch nicht das Gefühl in der DDR, dass ich als Frau darüber nachdenken müsste, ob mir etwas zusteht, ob ich etwas machen darf."

Petra Hoyer behielt diese Einstellung bei, auch nach dem Fall der Mauer. Sie habe überlegt, was sie am besten kann und wovon sie am meisten versteht und eröffnete im Januar 1990 ihren Baustoffhandel in Ostberlin. Die kleine zweijährige Tochter wurde in der Krippe betreut. Wie steht sie zum Thema Emanzipation? "Ich denke schon, dass Frauen in der DDR emanzipiert waren." Viele hätten in verantwortlichen Positionen gearbeitet, berufsbegleitend studiert. Daneben Kinder, Haushalt, Vollzeitarbeit - und die Idee, sich beruflich zu verwirklichen. Über viele Themen sei anders nachgedacht worden, oder gar nicht - zum Beispiel die Frage: Bin ich gleichberechtigt?

"Ich kannte es nicht anders"
Sie selbst habe nie in Erwägung gezogen, als Hausfrau zu Hause zu bleiben. "Für mich war immer klar: ich habe studiert, ich möchte beruflich und in Vollzeit tätig sein - und kannte es sicherlich auch nicht anders. Ich bin bin ja selber mit zwei Geschwistern großgeworden und einer Vollzeit berufstätigen Mutter. Es ging weniger darum, ob es möglich ist, sondern wie kann ich den Alltag gestalten, um den ganzen Aufgaben gerecht zu werden."

Ihr Unternehmen führt Hoyer seit zwei Jahren erfolgreich an zwei Standorten, 2017 setzte ein Wandlungsprozess ein. Ihrer Tochter stellt sie frei, ob die den Baustoffhandel einmal übernehmen möchte. Frauen rät sie, das zu tun, was sie gut könnten und sich dabei Unabhängigkeit zu verschaffen: "Seid einfach wer."

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