Helmut Hochschild am 6.2.19 im Inforadio-Studio (Bild: Wolf Siebert/rbb)
Wolf Siebert/rbb
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- Mobbing: "Die sozialen Skills spielen heute oft keine Rolle"

Hat sich eine Berliner Schülerin das Leben genommen, weil sie gemobbt wurde? Diese Frage beschäftigt seit Tagen die Stadt und längst auch die Politik. Wie gehen Schulen und Lehrer überhaupt mit Mobbing um? Inforadio-Reporter Wolf Siebert spricht darüber mit Helmut Hochschild - er ist Lehrer, Ausbilder und war Schulleiter an der Neuköllner Rütli-Schule.

Hochschild kritisiert im Gespräch unter anderem traditionelle Unterrichtsformen - Kooperation und Kommunikation werden so von Kindern und Jugendlichen kaum erlernt. Mit bestimmten Tischarrangements und Aufgabenstellungen könnten Lehrkräfte auch schon während des Unterrichts sehen, ob es Tendenzen zu Mobbing in einer Klasse gäbe. Zudem sollten Eltern und Lehrer stärker zusammenarbeiten. Dies ließe sich beispielsweise durch eine telefonoische Sprechstunde realisieren.

Ein weiterer Punkt ist der Druck auf Lehrkräfte, ihren Stoff zu bewältigen. "Dabei gehen die Dinge, die Grundlage für Mobbing sind, häufig verloren." Die Bewertungskultur sei wenig kompetenzorientiert: "Hier ist ein Bruch im System, der letztlich auch eine Basis für die Erzeugung von Druck ist und Druck dämpft die Entwicklung von sozialen Kompetenzen", so der Pädagoge und Ausbilder.

Lehrkräfte unter Druck

Die Ausbildung sei nur ein Schritt, Lehrerinnen und Lehrer fit für die Krisenprävention zu machen. Die Begleitung während der Praxis müsse besser werden, sagt Hochschild - und schlägt kollegiale Fallberatung oder Supervision vor.

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