Prof. Wolfgang Holler, Generaldirektor der Museen der Klassik Stiftung Weimar (Bild: imago/Steve Bauerschmidt)
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- Wolfgang Holler: "Das Bauhaus war immer politisch"

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus als Schule der Moderne in Weimar gegründet - 2019 wird ganz groß gefeiert. Mit verantwortlich für die Koordination dieser Feiern ist Wolfgang Holler, Generaldirektor der Museen der Klassik Stiftung in Weimar. Im Gespräch mit Barbara Wiegand beschreibt er, was das Bauhaus so besonders macht.  

Das Bauhausdesign ist ikonenhaft - und das "ist Glück und Unglück zugleich", sagt Holler. "Warum es so ist, das liegt wahrscheinlich daran, dass es eben kein Stil ist, sondern ein Bündel von Ideen ist“, erklärt der Museen-Generaldirektor. "Das Bauhaus war etwas, das versucht hat, immer auch dem Leben zu entsprechen - und auch Leben mitzubestimmen und mitzuentwickeln."

Genau dieses "Bündel von Ideen" macht es auch gar nicht so leicht, das 100-jährige Jubiläum des Bauhaus zusammenzufassen. "Aber heute ist so faszinierend, dass man diese Vielfalt ja nicht in einem einzigen Projekt darstellen muss", gibt Holler zu bedenken. "Der Ansatz dieses Jahres ist: Wir öffnen eine Palette von Möglichkeiten, die dann vielleicht komplementär das Bauhaus so abbilden, wie es gewesen ist - eben Vielfalt, Offenheit, experimentell, immer auch mit der Möglichkeit, dass man scheitert."

Gleichzeitig sei das Bauhaus immer hochpolitisch gewesen - schon in seinen Anfängen, sagt der Museen-Generaldirektor. "Es ist in einer Zeit entstanden, in der eine ganze Gesellschaft, eine ganze Weltvorstellung zusammengebrochen ist - nämlich das deutsche Kaiserreich mit all seinen Werten und Überlegungen", betont er. "Bei dem Ansatz, die Welt neu zu denken - oder: wie will ich leben, wie soll die Gesellschaft befasst sein - kann man nur politisch sein." Und das bestimme auch den Ansatz des Bauhaus-Verbundes, der die Festlichkeiten 2019 koordiniere, so Holler.

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