Autor Lukas Rietzschel
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- Lukas Rietzschel über Jungen, die zu Neonazis werden

Seit Lukas Rietzschel in seinem Buch "Mit der Faust in die Welt schlagen" von zwei Jungs erzählt, die zu Neonazis werden, wird der 24-Jährige gerne gefragt, wie er den deutschen Osten erklären kann. Und zu seiner Antwort gehört dabei auch, was eine schlichte Parkbank mit demokratischer Kultur zu tun haben kann. Inforadio-Reporterin Carolin Haentjes hat mit dem Schriftsteller gesprochen.

Ist Lukas Rietzschel so etwas wie der neue "Ost-Erklärer" der Nation? Eigentlich nicht. Denn Lukas Rietzschel selbst betont lieber den literarischen Zugang seiner Arbeit: "Es ist vor allem diese Innenansicht", erzählt er. "Das ist ja nicht monokausal, warum man am Ende so wird wie man ist. Da spielt ganz viel rein." Das aufzugreifen und mitzugehen – das könne eben nur Literatur.

Rational könne man ohnehin nicht erklären, warum jemand handgreiflich gegen einen anderen Menschen werde, nur weil der eben anders aussieht. Was Rietzschel aber vor allem beleuchten möchte, ist die wachsende Aggressivität gegen den Staat, die Ablehnung der Demokratie und des Systems dahinter. Mittlerweile habe er das Gefühl, dass sich die Fremdenfeindlichkeit ein bisschen weiter institutionalisiert habe.

Die schwierige Suche nach einem Verantwortlichen

Die DDR-Gesellschaft sei typisch dafür gewesen, dass sie das Konforme unterstützte, dass alle Ausreißer nach oben oder nach unten nicht sonderlich gebilligt worden wären. Das spüre man heute immer noch auf eine Art: "Dass es besser ist, normal zu sein – nicht rechts, nicht links."

Das zu durchbrechen, sei schwierig, wenn man so aufgewachsen und sozialisiert worden ist. Es falle dann schwer, Dinge einfach zu akzeptieren wie: "Nee, jetzt isses mal gut, den Mund aufzumachen", wo es vorher eben nicht angebracht war. "Das muss man mental schon mal hinkriegen", meint Rietzschel.

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