Der Publizist, Politikwissenschaftler und Jurist Albrecht von Lucke (Bild: imago/Horst Galuschka)
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- Veränderung politisch: Albrecht von Lucke

Die SPD ist eine große Partei, die Grünen sind eine kleine, rechts sitzt nur die Union - das waren mal Gewissheiten, die längst nicht mehr gelten. Die politische Landschaft hat sich verändert. Wird das Land dadurch instabiler? Darüber hat Hauptstadt-Korrespondent Alex Krämer mit dem Politikwissenschaftler, Publizisten und Juristen Albrecht von Lucke gesprochen.

Veränderungen in der Parteienlandschaft seien für ihn als Journalisten zunächst einmal spannend. Aber er stelle sich dann auch die Fragen: "Was macht das mit dem System? Und inwieweit ist Veränderung zuträglich oder ist sie gefährlich, gefährdend?"

Aus dem Erbe des Kalten Krieges heraus habe sich ein System der Bipolarität entwickelt, "das wir uns vielleicht angewöhnt haben als das normale zu begreifen", sagt von Lucke. Dieses System habe darin bestanden, dass sich zwei Volksparteien auf Augenhöhe begegneten. "Und dieses Phänomen verlieren wir meines Erachtens seit Beginn der 2000er Jahre, seitdem die linke SPD mit der Agenda 2010 und der Gründung der Linkspartei die Fähigkeit verlor, auf Augenhöhe zu operieren."

Das könne der CDU/CSU mit der Gründung der AfD auch passieren, in Ostdeutschland erlebe man das bereits, so der Politikwissenschaftler. "Aber ich halte diesen Abschied von den Volksparteien für voreilig. Ich glaube, dass jedenfalls die CDU/CSU allergrößte Möglichkeiten hat, sich als Volkspartei zu stärken."

Die CDU im Zentrum eines Planetensystems

Für die Wähler hätten sich inzwischen zwei Dinge verändert, erklärt von Lucke. "Es haben sich die großen Lagerzuordnungen aufgelöst, in dem Augenblick, wo die Linke - also SPD und Linkspartei zusammen - so schwach wurde, dass sie nicht mehr regierungsfähig war, sind die Grünen immer mehr in die Mitte gewandert."

Die entscheidende, ungeklärte Frage sei aber: "Ist nicht das Stabilitätsbedürfnis in der Bevölkerung so groß - und ich glaube, das ist es historisch nach wie vor -, dass nach dem Ende  der SPD als Volkspartei - und das wird man nach diesem Jahr sagen müssen - es eine regelrechte Sehnsucht, eine Flucht in eine andere Volkspartei gibt?"

Zumal sich die CDU mit Annegret Kramp-Karrenbauer als Parteichefin nun auch sehr sozial darstelle, betont der Politikwissenschaftler. "Das Bild, was ich mir vorstellen kann, ist eine CDU in der Mitte, um die herum - wie die kleinen Planeten - die anderen Parteien kreisen."

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