Babette Renneberg (Bild: Susanne Hase)
Susanne Hase
Bild: Susanne Hase

- Veränderung psychologisch: Prof. Babette Renneberg

So ist das mit den guten Vorsätzen für nächste Jahr: Wir nehmen uns was vor und machen es dann doch nicht. Wir halten lieber am Bekannten fest, wohl wissend: Veränderungen sind eigentlich nicht aufzuhalten. Warum ist der Mensch so? Warum werden Veränderungen, über die wir diese Woche in den Vis-à-Vis-Gespräche reden, oft zum Hindernis? Inforadio- Redakteur Christian Wildt begann sein Gespräch mit der Psychologin Prof. Babette Renneberg von der Freien Universität Berlin mit typischen Gedanken zum Jahreswechsel.

Gerade auf den letzten Metern des laufenden Jahres denken viele über persönliche Veränderungen nach. Doch was kann man sich zumuten, wo droht man, den Bogen zu überspannen? "Wir alle brauchen Rituale - aber die Menschen brauchen auch Veränderung, das allerdings in unterschiedlichem Ausmaß", betont die Berliner Psychologin Prof. Babette Renneberg. Der Wille zur Veränderung hänge ab von der grundsätzlichen Offenheit für neue Erfahrungen - und: "Menschen mögen Veränderungen insbesondere dann, wenn sie selbstbestimmt sind", so Renneberg.

Gleichzeitig gelte: "Gewohnheiten helfen durch den komplexen Alltag, helfen, sich sicher zu fühlen und gut durch's Leben zu kommen. Sie tun auch körperlich gut, weil sie Ruhe vermitteln. Zu viel Veränderung kann Stress auslösen. Routinen ermöglichen Kontrolle", erklärt die Psychologin.

"Auch Kinder brauchen Gewohnheiten"

Babys und Kinder entwickeln sich ohne Veränderungen nicht weiter, sie verändern sich nahezu täglich, so erobern sie die Welt. Mit zunehmendem Alter werden die Veränderungen weniger, die aus der natürlichen Entwicklung entspringen. "Mit wachsendem Alter brauchen auch Kinder Struktur und Gewohnheiten am Tag", unterstreicht Renneberg. "Im Erwachsenenalter angekommen können Routinen aber auch zu viel werden und einen nicht weiterbringen, dann kann eine innere Diskrepanz deutlich werden. Dann muss man über Veränderungen nachdenken. Das fühlen die Menschen aber unterschiedlich stark."

Behutsamkeit führt weiter

Beim sich selbst und den Willen zu Veränderung hinterfragen sollte man sich aber nicht zu lange betrachten, "auch in solchen Gedanken kann man steckenbleiben", warnt die Psychologin. "Besser auf die innere Stimme hören und Langeweile registrieren. Und behutsam mit Veränderungen umgehen", rät sie. Behutsamkeit sei leichter zu gestalten als radikale Umwälzungen.

Dabei gebe es aber auch Veränderungen, die man nicht behutsam absolvieren könne, z.B. Trennungen oder andere ungewollte Veränderungen: "Die wirken übergestülpt, und die zu akzeptieren, ist eine große Aufgabe. Wenn man nichts daran ändern kann, ist es hilfreich loszulassen und nicht weiter darüber zu grübeln, sondern nach vorne zu schauen."

Behutsamkeit ist auch Trumpf, wenn es um Babette Renneberg persönlich geht: In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr macht sie ganz bewusst wenig Pläne: "Ich freue mich auf die Zeit zwischen den Jahren, eher auf weniger Arbeit und mehr Zeit mit meinen Lieben. Es gibt sehr viel Veränderung in meinem Leben, und da ist es nicht hilfreich, mir auch noch etwas vorzunehmen."

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Interviewsituation. Symbolbild für die Sendereihe Vis à vis [colourbox]

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