Monika (li.) und Magdalena (re.) Bienert
Bayerischer Rundfunk/Stefan Dorner
Bild: Bayerischer Rundfunk/Stefan Dorner

- Ein Mann für meine Mutter

"Familienbande" - das heißt: in der Verwandschaft füreinander einzustehen und zusammenhalten. Sich um das Liebesleben der eigenen Mutter zu kümmern, gehört normalerweise nicht unbedingt dazu. Inforadio-Redakteurin Magdalena Bienert hat genau das gemacht - und über ihre Erlebnisse einen Podcast veröffentlicht, zusammen mit ihrer Mutter. Was die beiden auf Partnersuche erlebt haben, davon erzählen sie im Gespräch mit Martina Schrey.

Der Grund für Magdalena, die Aktion zu starten: "Ich kenne meine Mutter jetzt schon fast 40 Jahre, und ich dachte: Es kann doch nicht sein, dass ich mich so richtig an keinen Mann erinnere, der länger an ihrer Seite gewesen ist. Meine Mutter ist doch eine coole Frau, die ist eloquent, witzig, schlau - wieso gibt's da keine Männer? Das kann einfach nicht sein."

Es packte sie der Ehrgeiz, mal zu gucken "was das so geht". So richtig begeistert war die Mutter am Anfang nicht - "das war einfach nicht mein Thema". Doch als die Tochter hartnäckig dranblieb, dachte sie: "Och, warum nicht?"

Beim Alter wird kräftig geschummelt

Mutter Monika (70) ist Schauspielerin, Tochter Magdalena Journalistin beim Inforadio. Die Suche begann - online und auf dem "klassischen Weg" einer Zeitungsanzeige. "Das war nicht sehr ergiebig", sagt Monika und lacht. Eins der Probleme: die Menschen machen sich jünger. So schrieb einer der Bewerber, er sei um die 70 - "und dann kam er kaum aus dem Sessel raus, als wir dann da waren". Ein Fehlgriff also, trotz eines sehr unterhaltsamen Nachmittags - "Du brauchst schließlich jemanden, mit dem du noch Sachen unternehmen und reisen kannst."

Damenwahl im Café Keese

Die Suche erstreckte sich auch auf das legendäre "Café Keese" - eine Institution und sehr unterhaltsam, wie beide übereinstimmend finden. Wobei Tochter Magdalena die einzige in der kleinen Damenrunde war, die zum Tanzen aufgefordert wurde. Irgendwann hatte auch Mutter Monika "die Faxen dicke" und nutzte die Chance der Damenwahl, "den einzigen brauchbaren" Herrn der Schöpfung aufs Parkett zu bitten. "Das war sehr witzig - aber ich denke, der suchte was Jüngeres, und er war auch nicht mein Typ".

Eine tiefere Ebene als beim Sonntagskaffee

Wie hat sich diese doch ungewöhnliche gemeiname Suche auf das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ausgewirkt? Viel geändert habe sich nicht - bis auf die Tatsache, dass eben auch mal Tabuthemen wie z.B. Sexualität angesprochen wurden. "Da war ich schon froh über meine Rolle als Journalistin, die das abfragen muss. Aber ich konnte so offen reden, weil wir verwandt sind und so ein gutes Verhältnis haben."

Natürlich, so sagt Magdalena, denke sie manchmal nach so langer Zeit: "Muss ich jetzt nochmal darüber reden, warum mein Vater nicht der Richtige war?" Gestartet habe sie das Projekt in einer Phase, in der sie sich und alte Beziehungsmuster hinterfragt habe: "Welches Leben meiner Mutter lebe ich hier gerade nach, und wie schaffe ich es, eine eigenständige Person zu werden?"

Da habe 'ganz viel Abnabelung' stattgefunden, nach der Geburt ihrer eigenen Tochter, "Wo man sich selbst und sein Elternhaus hinterfragt - und das ganz eigennützig unter dem Deckmantel des Podcasts.  (...) Ich fand schon, dass wir da nochmal auf eine tiefere Ebene gekommen sind, auf die man beim Sonntagskaffee auf keinen Fall kommt."

Um das Ende vorwegzunehmen: Es gab keinen Mann, der bleiben könnte. Geht die Suche nun weiter? "Wenn es sich ergibt, gerne", sagt Monika. "Aber diese intensive Suche mit Tanzen gehen und Anzeigen - das ist nicht meins!"

„Ein Mann für Mama“ - den Podcast können Sie im Internet hören - bei allen einschlägigen Streamingdiensten - und das Ganze wird auch als Buch veröffentlicht - allerdings voraussichtlich erst 2020.

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Interviewsituation. Symbolbild für die Sendereihe Vis à vis [colourbox]

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Hintergründe, Meinungen und Analysen im Dialog: Hier kommen Menschen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu Wort.