Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen (Bild: imago/Reiner Zensen)
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- Schatten auf der Pressefreiheit in Europa

2018 war ein schwieriges Jahr für Journalisten: In der Türkei wurden Redaktionen dichtgemacht, der saudische Journalist Kashoggi wurde ermordet und auch in der EU steht es nicht überall gut um die Meinungsfreiheit. Schützer dieser Meinungs- und Pressefreiheit ist die Organisation "Reporter ohne Grenzen". Benjamin Eyssel hat mit Geschäftsführer Sebastian Mihr über seine Arbeit gesprochen.

Seine Arbeit habe sich in den vergangenen Jahren sehr verändert, sagt Mihr. "Auf unserer Rangliste der Pressefreiheit hat sich im vergangenen Jahr keine Region weltweit so verschlechtert wie Europa." Als konkrete Beispiele nennt er Malta und die Slowakei.

Die EU schaue beim Thema Pressefreiheit nicht gut genug hin, beklagt Mihr. Das zeigten etwa auch die Beitrittsverhandlungen mit Serbien, das gerade "an die Tür der EU klopfe" und das Journalisten stark gängele. "All das taucht nicht in den jüngsten Fortschrittsberichten der Europäischen Union auf."

Weniger Zeitungen, mehr Massenüberwachung

Und auch in Deutschland beobachtet der Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen" einige Entwicklungen mit Sorge. Zwar stehe das Land in der Rangliste der Pressefreiheit relativ weit oben. Jedoch seien auch hier "eine wachsende Zeitungsmarktkonzentration und ein Rückgang der Medienvielfalt" zu verzeichnen, so Mihr. Außerdem bereite ihm die zunehmende Massenüberwachung Sorge, da es Journalisten so immer schwerer hätten, ihre Quellen zu schützen.

Trotz aller Entwicklungen wünscht er sich von den Redaktionen, dass sie mutig weiterarbeiten. Denn am Ende sei Journalismus unverzichtbar - "im Sinne von einordnen und die Zusammenhänge erkennen". "Das ist nach wie vor die ureigene journalistische Funktion, die sonst auch nicht erfüllbar ist."

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