Der Radsportler Maximilian Levy im Inforadio-Studio (Bild: rbb)
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- Maximilian Levy: "In meinem Gesicht kann keiner was lesen"

Vor 21 Jahren hat Maximilian Levy beim Weltcup der Bahnradfahrer im Velodrom seine Liebe zum Radsport entdeckt. Mittlerweile ist er viermaliger Weltmeister und hat drei Olympische Medaillen gewonnen. Der Cottbusser ist das regionale Aushängeschild, wenn es um Bahnradsprint geht. Was sein Jahr geprägt hat und warum er das Pokerface schlechthin ist, verrät der "Papa" der deutschen Sprinter im Gespräch mit inforadio-Sportreporter Jonas Schützeberg.

Der Spruch vom "Pokerface Levy" stammt von seiner Teamkollegin Pauline Grabosch. Alles nur Show? Man dürfe sich in so einem Turnier sowohl im Sprint als auch im Keirin "vor allem nicht negativ darstellen", sagt er. Da stehe einem oft genug der Mageninhalt an der Kante, aber "das darf man eben nicht zeigen - wenn ich jetzt vor den Gegnern in die nächste Mülltonne breche, ist das sicher nicht ganz von Vorteil." Das könne er aber "extrem gut ausblenden" und sich darauf fokussieren, dass in seinem Gesicht "keiner was lesen kann".  

Eine richtige Entscheidung

Sein bisheriges Highlight der letzten Zeit: Der Gewinn der Europameisterschaft 2017 im Keirin. Auf die Frage "Wie war das?" kommt seine knappe Antwort: "Wahnsinn."

Wenn er sich das Video von damals ansehe, bekomme er noch heute eine Gänsehaut - gerade mit Blick auf seine "Verletzungsgeschichten" im Vorfeld. "Dann so zurückzukommen und in Berlin den Europameistertitel zu gewinnen" - da habe sich die Entscheidung "voll ausgezahlt", nicht nach den Olympischen Spielen in Rio aufzuhören und stattdessen weiterzumachen.

Das Trainingsrad unter der Zimmerdecke

Zum Radsport kam der gebürtige Berliner, nachdem ihm mehrmals das Fahrrad geklaut worden war. "Da haben meine Eltern gesagt: Wenn du weiter Fahrrad fahren möchtest, dann geh doch bitte in einen Verein, da kannst du den ganzen Tag Fahrrad fahren." Die Besten im Verein bekamen Leihräder - "das war natürlich ein Ziel für mich" - und das wurde in der Wohnung in Prenzlauer Berg per Flaschenzug zur Zimmerdecke hochgehoben.

Initiative für Kristina Vogel

Am 26. Juni 2018 erlebte Levy aus nächster Nähe den Unfall seiner Kollegin Kristina Vogel mit, die beim Training in Cottbus schwer stürzte und seitdem querschnittsgelähmt ist. "Das war gleichzeitig auch noch mein 31. Geburtstag, insofern wird der Tag für immer eine Verbindung zwischen uns sein."

Für sich selbst gelernt hat er daraus, keine Dinge mehr aufzuschieben - "man weiß schließlich nie, was morgen passiert". Bei Rennen auf der Bahn kann er die Angst vor einem Sturz ausblenden - trotz früherer Stürze, bei denen er recht schwer verletzt wurde.

Beim Großen Preis von Deutschland, der einige Tage nach Vogels Unfall stattfand, rief er dazu auf, das Preisgeld zu spenden und war Initiator einer Initiative mit dem Hashtag #staystrongkristina, mit der "eine beachtliche Summe" zusammenkam.

Im Team der "Papa der Nation"

Von seinem Team wird Levy gerne als "Vaddi" tituliert - eine Rolle, die er gerne ausfüllt- "solange sie nicht Opa sagen". Deutlich wurde das etwa bei einer Autopanne im Trainingslager in Kapstadt. Da sorgte er als Kapitän dafür, dass das Team heil im Hotel ankam.

Papa ist er auch im Privatleben - mit seiner Frau Madeleine Sandig hat er zwei Töchter. Deren Namen stehen auf den Halteriemen der Pedale seines Fahrrads. Deren schönster Spielplatz ist die Radrennbahn Cottbus, wenn Papa trainiert.

WM in Polen ohne "Vaddi"

Den Traum vom olympischen Gold in Tokio 2020 hat er seit London und Rio eher abgeschrieben - in London reichte es immerhin für Silber im Keirin. "Damals war das eine Enttäuschung, aber heute bin ich stolz auf die Medaille - ebenso wie auf die beiden anderen."

Das Highlight des nächsten Jahres - die Bahnrad-WM in Polen - wird er ebenfalls nicht als aktiver Teilnehmer miterleben: "Ich hab meinem Spitznamen Vaddi alle Ehre gemacht. Wir erwarten genau zu dieser Zeit unser drittes Kind". Deshalb habe er sich entschlossen, zuhause zu bleiben - auch wenn Polen von Cottbus aus gesehen quasi um die Ecke liegt.

"Gerade wenn man schon zwei Kinder hat, will ich die Zeit vor und nach der Geburt meines dritten zusammen mit meiner Familie erleben."

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