Horst Evers präsentiert seinen neuen Roman Es hätte alles so schön sein können , Deutschland, Berlin, Haus des Rundfunks, Die Radioeins-Lesung: 20.11.2018
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Bild: imago/Metodi Popow

- Horst Evers und seine "Reise ins erwachsen werden"

"Es hätte alles so schön sein können" - so heißt das neue Buch von Horst Evers, Autor und Kabarettist. Mit seinen absurd zugespitzten Geschichten aus dem Alltag ist er seit fast 30 Jahren erfolgreich. Mittlerweile hat Horst Evers die bedeutendsten Kleinkunst- und Kabarettpreise gewonnen und seine Bücher sind Bestseller. Nadine Kreuzahler aus der Inforadio-Kulturredaktion hat sich mit Evers über seinen neuen Roman unterhalten und darüber, ob es eigentlich gute Zeiten sind gerade fürs Kabarett.

In seinem Buch erzählt er die Geschichte eines 17-jährigen Teenagers, der durch die Verkettung einiger absurder Umstände in das größte Abenteuer seines Lebens gerät. Danach ist er ein anderer Mensch. Evers sieht darin durchaus einen Appell an die Menschen, sich mal rauszutrauen aus den Sesseln der Komfortzone.

Ein bisschen ist es auch seine eigene Geschichte: Evers stammt aus einem kleinen Dorf, ging dann nach Berlin und wurde hier erfolgreich. Sein Buch sei "letztlich eine Reise, eine Fahrt ins erwachsen werden" - eine Mischung aus coming-of-age-Geschichte und Thriller.

Evers: "Wenn das mein Großvater gehört hätte!"

Er selbst setzt "große Hoffnungen" in diese junge Generation, der auch seine jetzt 18-jährige Tochter angehört: "Ich hab das Gefühl, das wird besser werden. Denen würde ich gerne vieles schon jetzt anvertrauen, was ich Älteren eher wegnehmen würde." Die "ältere" Generation taucht in dem Buch in Form von Zitaten eines Großvaters auf - etwa dass er mehr Angst vor der Vergangenheit habe als vor der Zukunft.

Evers  selbst kommentiert Ereignisse wie etwa in Chemnitz eher kopfschüttelnd: Bei dem rechten "Trauermarsch" etwa hätten die Teilnehmer weiße Rosen getragen - "wo also Holocaust-Leugner losmarschiert sind mit dem Symbol der Weißen Rose[der gleichnamigen Widerstandsgruppe gegen Hitler, Anm.d.R.] - und da dachte ich in dem Moment: wie geschichtsvergessen kann man sein?"

Sein eigener Großvater war in russischer Kriegsgefangenschaft. Mit Blick auf eine Äußerung des AfD-Fraktionschefs Gauland - "wir müssen auch wieder stolz auf unsere Soldaten aus den Weltkriegen sein - das war so in etwa der Satz, den er gesagt hat" - meint Evers: "Wenn das mein Großvater gehört hätte! Natürlich waren auch die deutschen Soldaten ein Opfer dieser Zeit. Aber es gibt überhaupt keinen Grund, auf irgendwas stolz zu sein! Man darf Mitgefühl haben - unbedingt - wie denen die Jugend geklaut wurde. Aber es gibt überhaupt nichts, an dem was die Wehrmacht gemacht hat, an dem was im Zweiten Weltkrieg passiert ist, worauf irgendjemand stolz sein könnte!" Dass man um solche "Selbstverständlichkeiten" wieder ringen müsse, mache ihm "schon zu schaffen. Und natürlich fließt das dann auch in so einen Roman mit ein."

Lesebühne - die Chance für Schüchterne

Angefangen hat Horst Evers in den 1990er Jahren auf Lesebühnen, von denen er auch einige mit begründete - etwa "Doktor Seltsams Frühschoppen" in Berlin-Mitte oder das "Mittwochsfazit" in Prenzlauer Berg. Dass sich der Trend dann in Richtung Poetry Slam und Stand-up Comedy wendete, findet er "persönlich ein bisschen schade". Lesebühnen waren eine "ganz, ganz einfache Weise auf die Bühne zu kommen und Geschichten zu erzählen - gerade für mich. Ich war damals extrem schüchtern und bin es heute eigentlich immer noch. In dem Moment, in dem ich das Gefühl habe: Die Geschichte schützt dich, dir kann eigentlich nichts passieren, (...), das hat mir damals sehr geholfen."

2018 - ein schwieriges Jahr für Satiriker?

Seit 20 Jahren veranstaltet er mit seinen Kabarett-Kollegen den schon traditionellen satirischen Jahresrückblick - war das Jahr 2018 besonders schwierig?

Die Frage stelle er sich schon seit einigen Jahren, sagt Evers. "Es wird immer schwieriger und es spitzt sich immer mehr zu. (...) Natürlich ist es immer leichter, ein Jahr zu bespielen, in dem Dinge in Bewegung sind. Insofern ist der Jahresrückblick für von der Bühne her dankbarer geworden, obwohl wir mehr leiden. Ich persönlich hätte es lieber etwas schwerer, der Jahresrückblick zu machen, und dafür insgesamt eine etwas weniger absurde Wirklichkeit."

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