Skyline von Shanghai in der Abenddämmerung
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- Frank Sieren, Publizist und Filmemacher mit Wohnsitz China

Die chinesische Wirtschaftsmacht wird oft mit Argwohn beobachtet, etwa wenn chinesische Investoren deutsche Firmen kaufen. Gerade macht der US-Präsident mit Zöllen Front gegen China und wirft dem Land unfairen Wettbewerb vor. Der lange schon in China lebende Publizist und Filmemacher Frank Sieren empfiehlt dagegen in seinem Buch "Zukunft? China!",  auf möglichst vielen Feldern mit dem Land zu kooperieren. Wirtschaftsredakteur Gerd Dehnel sprach mit ihm darüber.

China habe sich in den vergangenen Jahren enorm gewandelt, sagt Frank Sieren. „Wenn man heute aus China kommt, hat man das Gefühl, in Deutschland ist alles etwas langsamer, es wird erst lange diskutiert und dann wird etwas umgesetzt. In den letzten Jahren habe ich auch zunehmend das Gefühl, dass das Land – und das ist eine große Überraschung für mich – technologisch auch weiter ist. Zum Beispiel haben wir hier gar kein Bargeld mehr, das geht alles über das Handy“, erzählt Sieren. Man könne sowohl ein Auto über WeChat kaufen als auch den Fahrrad-Flicker an der Straßenecke. Viele Geschäfte nähmen zwar noch Bargeld an, hätten aber gar kein Wechselgeld mehr. Das seien schon sehr auffällige Veränderungen.

Chancen gegen Risiken

Aber ist diese rasante Entwicklung in China für die Wirtschaft in Deutschland eine Bedrohung? Sowohl als auch“, antwortet Sieren. „Wir sollten natürlich nicht alles sofort an die Chinesen verkaufen. Andererseits ist es natürlich für unsere Zukunft auch gut, wenn wir so eng wie möglich mit China verbunden sind und von diesem wirtschaftlichen Aufstieg profitieren.“

Aus Sicht der Chinesen sei es so, dass die Westler in den letzten 500 Jahren alleine die Spielregeln der Welt bestimmt hätten. Und jetzt wollen sie eben selbst mitbestimmen, so wie viele andere aufsteigende Länder auch. „Das ist ein bisschen so wie mit Kindern und ihren Eltern“, glaubt Frank Sieren. „Eine ganze Zeit können die Eltern bestimmen, was die Kinder machen. Irgendwann aber haben die eigene Vorstellungen – und dann kann man eigentlich nur noch überzeugend sein, aber nicht mehr bestimmen.“ In diese Phase kämen wir jetzt, so Sieren.

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