Pflegerin hält Hand eines sterbenden Mannes (Bild: imago/Oberhäuser)
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- Angela Fournes: "Den Tod muss man leben"

Volkstrauertag, Totensonntag - die Zeit vor dem Advent wird "traurige Zeit" genannt. Angela Fournes nennt diese Zeit durchlässig: durchlässig für den Tod. Denn Angela Fournes ist Bestatterin in Berlin, aber nicht im herkömmlichen Sinne. Sie versteht sich als Wegbegleiterin für Sterbende und Hinterbliebene. In ihrem Buch "Den Tod muss man leben" schreibt sie über das Unausweichliche und plädiert vor allem für einen langsamen Abschied von den Verstorbenen. Anke Burmeister hat Angela Fournes getroffen.

Angela Fournes hat im Moment viel zu tun. Denn in den "Übergangszeiten", also im Frühling oder Herbst, würden Menschen "gerne über die Schwelle gehen" und sterben. In ihrem Buch schreibt sie über Menschen, die andere Menschen verlieren: die geliebte Mutter, den Vater, oder einen guten Freund. Sie gibt auch praktische Hinweise, wie man mit dem Tod umgehen kann. Fournes will Menschen mit dem Buch ermutigen, selbstständig zu handeln - und "zeigen, was alles möglich ist", wenn ein geliebter Mensch stirbt. Also beispielsweise, wie man einen toten Menschen wäscht, ein Thema das derzeit allgemein mit Angst besetzt ist.

Angela Fournes und Anke Burmeister
Bild: Hendrik Fahrnow

Als Bestatterin verfolgt Angela Fournes das Konzept, Verstorbene so lange es geht mit Lebenden zusammenzuhalten, zum Beispiel durch das Aufbahren in den eigenen vier Wänden. Ein erheblicher Unterschied zu der Arbeit anderer Bestatter. "Die Seele braucht Zeit, um das Geschehene zu verdauen und zu verstehen", sagt Fournes dazu. Das funktioniere nicht in den zwei Stunden, in denen man üblicherweise in Krankenhäusern von Verstorbenen Abschied nimmt.

Buch-Tipp:

Angela Fournes, Annette Bopp: Den Tod muss man leben

Eine Bestatterin hilft: denen, die gehen, und denen, die bleiben

208 Seiten, Ludwig Buchverlag

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