Die deutsche Bob-Sportlerin Mariama Jamanka
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Bild: imago/Ed Gar

- Jamanka: "Die besten Bobschlitten kommen aus Berlin"

Seit dem Gewinn ihrer Goldmedaille im Bobfahren steht Mariama Jamanka im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Wie sich das Leben nach ihrem spektakulären Sieg in Pyeongchang anfühlt, wie sie als Flachländerin zum Bobfahren kam und was ihre Heimatstadt Berlin zu ihrem Sieg beigetragen hat. Stefan Frase hat sich mit ihr unterhalten (Wdh. vom 21. März 2018).

Immerhin - eine Kreuzfahrt nach Norwegen mit ihrer Mutter hat sich Jamanka nach den Olympischen Spielen gegönnt: "Die habe ich aber schon lange vorher gebucht. Ich dachte, dass ich nach der Saison ein bisschen mehr Zeit habe. Dass das jetzt anders gelaufen ist, ist natürlich irgendwie schön, aber timing-mäßig auch irgendwie blöd gewesen."

Dass sie nach ihrem Gold-Sieg in Pyeongchang selbst auf dem Kreuzfahrtschiff noch angesprochen und um Autogramme und Selfies gebeten wurde, habe sie überrascht. "Das war aber alles noch im Rahmen. Ich fand das nicht lästig, ich fand's witzig, dass mir das jetzt im Urlaub passiert. Aber ich habe mich gefreut."

Eine Bobpilotin aus dem flachen Berlin holt eine Goldmedaille gegen die internationale Konkurrenz aus "Bergvölkern" mit Bahnen vor jeder Haustür - wie kommt man dazu? Ihr Leichtathletiktrainer habe sie dazu gebracht, sagt sie. Nicht immer wohnen Bobpilot(inn)en in den Bergen. Gerade Anschieber seien oft an ihren Leichtathletikstützpunkten zu finden - auch ihre Anschieberin Lisa Buckwitz trainiert in Potsdam.

Auch Jamanka begann als Anschieberin. Dass aus ihr eine Pilotin wurde, habe sie der Tatsache zu verdanken, dass mehrere erfahrene Pilotinnen aus Altersgründen ausschieden und Nachwuchs gesucht wurde. "Da hab ich mir gedacht: klingt lustig, und ein bisschen mehr sehen beim Fahren wär auch schön. Deswegen hab ich mich dann mal selber an die Lenkseile gesetzt."

Die deutsche Bob-Sportlerin Mariama Jamanka
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"Ein Drittel liegt am Material"

Eine große Rolle bei ihrem Sieg in Pyeongchang hat sicher auch das "FES" gespielt. Hinter dieser unscheinbaren Abkürzung verbirgt sich das Berliner "Institut für Fortschung und Entwicklung von Sportgeräten".

Bobfahren sei nunmal eine Materialsportart wie die Formel 1: "Es gibt eine Faustregel, dass beim Bobfahren ein Drittel der Start ausmacht, ein Drittel das Material und ein Dritttel die Fahrlinie. Da kann man ungefähr ermessen, wie wichtig dieser Bob ist."

Die FES habe viel Zeit investiert und "uns wirklich, wirklich gute Schlitten hingestellt". Das sehe man auch daran, dass "Francesco Friedrich im letzten Moment noch auf einen FES-Zweier umgestiegen ist - mit Erfolg, würde ich sagen [Anm d.R.: er gewann die Goldmedaille], und Nico Walther ist im FES-Vierer Silbermedaillen-Gewinner geworden."

Geboren und aufgewachsen in Berlin, ist Mariama Jamanka jetzt Sportsoldatin bei der Bundeswehr mit Dienstgrad Stabs-Unteroffizier. Eine Beförderung nach einer Goldmedaille gibt es heute - im Gegensatz zu früher - leider nicht mehr: "Inzwischen gibt es nur noch festgelegte Beförderungsstufen, die sich nach Lehrgängen richten." Eine Alternative als Bob-Profi sieht sie nicht: "In Deutschland gibt es außer Fußball und Tennis vielleicht noch eine oder zwei Sportarten, in denen man als Profi genug verdient um davon leben zu können. Aber Bobfahren gehört definitiv nicht dazu."

Das Gespräch führte Stefan Frase.

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