Der Berliner Unternehmer Raphael Fellmer
Chloe Desnoyers
Bild: Chloe Desnoyers

- Raphael Fellmer, der Lebensmittelretter

Dass Tonnen von Lebensmitteln im Müll landen, obwohl sie noch genießbar sind, ist nicht neu. Dass ein Unternehmer sie rettet und in einem eigenen Supermarkt verkauft, schon. Franziska Ritter hat sich mit Raphael Fellmer über seinen ungewöhnlichen Markt, die Wegwerfkultur und ein Leben (fast) ohne Geld unterhalten.

Als Kind wollte Raphael Fellmer Millionär werden. Aber nicht, um teure Autos und schicke Klamotten zu kaufen, sondern: "Ich dachte, wenn ich denen helfen möchte, denen es besonders schlecht geht, nämlich gerade Kindern, dass ich, wenn ich ganz viel Geld habe, denen am besten helfen kann."

"Wir könnten alle Hungernden viermal ernähren"

Irgendwann kam die krasse Kehrtwende: Fellmer trat in den "Geld-Streik" und bestritt sein Leben fünf Jahre lang komplett ohne Geld. In einigen Aspekten war er da auf die Hilfe anderer angewiesen, die ihm beispielsweise  ungenutzten Wohnraum zur Verfügung stellten. Lebensmittel für sich und seine Familie holte sich Fellmer nachts aus den Müllcontainern der Supermärkte. "Davon konnten wir natürlich bestens leben. Uns ist auch nie etwas passiert."

In dieser Zeit wuchs in Raphael Fellmer der Wunsch, der Welt zu zeigen, dass all diese Produkte nichts im Müll zu suchen haben: "Wir produzieren so viele Lebensmittel, dass wir eigentlich alle Hungernden viermal ernähren könnten."

Über die Internetplattform zum Supermarkt für abgelaufene Lebensmittel

Um selbst etwas gegen die Lebensmittelverschwendung zu unternehmen, half Fellmer 2012 mit, eine Internetplattform "Foodsharing"aufzubauen, über die Privatpersonen, Händler und Erzeuger online Lebensmittel anbeten können, die man dann kostenlos dort abholen kann. Über 15 Millionen Kilogramm Lebensmittel wurden so von ihm und seinen Mitstreiter*Innen im Lauf der Jahre gerettet.

2017 ging Fellmer noch einen Schritt weiter: Er eröffnete in der Wilmersdorfer Straße den Laden "SirPlus", in dem er Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum verkauft. Wie aus der Idee der kostenlosen Lebensmittelrettung ein kommerzielles Geschäftsmodell wurde und was für die Zukunft noch geplant ist, das erzählt Raphael Fellmer Inforadio-Wirtschaftsreporterin Franziska Ritter.

Zur Sendungs-Übersicht

Interviewsituation. Symbolbild für die Sendereihe Vis à vis [colourbox]

Vis à vis

Hintergründe, Meinungen und Analysen im Dialog: Hier kommen Menschen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu Wort.