Der CDU Ortsverband Pieschen informiert
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Bild: imago/Torsten Becker

- Parteien im Sinkflug

Nur etwa jeder Hundertste in Berlin und Brandenburg ist noch Mitglied einer Partei - und das in einer Zeit, in der politisch so viel diskutiert wird, wie lange nicht mehr. Wie dieses Ungleichgewicht zustande kommt und welche Probleme das für die Parteien erzeugt, bespricht Landespolitikreporter Thorsten Gabriel mit dem Parteienforscher Oskar Niedermayer.

Engagiert über Politik diskutieren? Ja. Sich in einer politischen Partei engagieren? Nein! So lautet der Befund beim Blick auf die Parteien in unserer Region. Trotz derzeit leicht steigender Mitgliedszahlen sind es gerade mal 1,2 Prozent der Berliner und Brandenburger, die ein Parteibuch haben. Dabei mangelt es eigentlich nicht an politischen Themen, die zum Mitmachen animieren könnten.

Woran liegt also diese Zurückhaltung? Der Parteienforscher Oskar Niedermayer wundert sich darüber wenig. Es gebe generell nur einen kleinen Anteil von Leuten, die sich über das Wählen hinaus politisch engagierten: "Gerade in Parteien ist das politische Engagement sozusagen Ressourcen vernichtend: Man braucht viel Zeit, muss Mühe aufwenden und das will nur ein kleiner Teil der Menschen auf sich nehmen."

Oskar Niedermayer (Quelle: dpa/Julian Stratenschulte)
Parteienforscher Oskar NiedermayerBild: dpa/Julian Stratenschulte

"Closed-Shop" - Mentalität in den Ortsvereinen

Schon alleine der Eintritt in eine Partei sei sehr aufwändig, zumal auch das Stichwort "Ortsverein" abschreckend wirke: "Es ist durchaus so, dass in einigen Ortsvereinen eine Art 'Closed Shop'-Mentalität herrscht. Das heißt, man ist am liebsten unter sich. Die Machtverhältnisse sind geklärt. Wenn ein oder zwei Leute neu kommen, dann ist das nicht so schlimm. Aber wenn es ein ganzer Schwung von jungen Leuten neu ist, bringt der alles durcheinander bei den Älteren, die sich gut eingerichtet haben."

Dabei sind die Parteien durchaus auf Nachwuchs angewiesen, so Niedermayer: "Aber die Mitglieder werden gebraucht für die Wahlkämpfe zum Beispiel und auch zwischen den Wahlkämpfen, um die Partei im Gespräch zu halten im normalen Alltagsleben. Die Mitglieder werden gebraucht als Finanzquelle. Das darf man nicht vergessen. Die Parteien bekommen zwar staatliche Gelder, aber die hängen zum Teil auch von der Anzahl der Mitglieder ab. Und die Mitglieder werden auch gebraucht, um sozusagen so eine Art Seismograf in die Gesellschaft hinein zu bilden. Damit man als Partei sieht, was in der Gesellschaft wichtig ist und was diskutiert wird, um dann auch darauf reagieren zu können."

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