Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz
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Bild: imago/Horst Galuschka

- Liane Bednarz - "Die Angstprediger"

Sie wollen das christliche Abendland retten, kämpfen gegen die Ehe für alle, Gender Mainstreaming, Abtreibung und fürchten eine Islamisierung Deutschlands. Die Publizistin Liane Bednarz nennt sie Angstprediger. Fromme Christen, die offen Sympathie für Pegida, AfD und Co. zeigen. Schon lange beschäftigt sich die mit der sogenannten Neuen Rechten, jetzt auch in einem Buch. Ulrike Bieritz hat mit Liane Bednarz über den Vormarsch der rechten Christen gesprochen und warum man mit ihnen, statt über sie diskutieren sollte.

Sie sind meist sehr fromm – und fühlen sich ihrer konservativen Werte beraubt, seit die CDU in die politische Mitte gerückt ist. Aus dieser politischen Heimatlosigkeit ist Frustration entstanden, die sich nun in Anfälligkeit für rechte und rechtspopulistische Parolen bis hin zur AfD entlädt. So charakterisiert Liane Bednarz jene Menschen, die sich christlich nennen – und gleichzeitig gegen alles Fremde, vor allem gegen den Islam wettern.

AfD-Positionen finden Zustimmung

Dass sich viele von ihnen der AfD nahefühlen, überrascht dabei, denn: “ Alexander Gauland sagt selbst, dass die AfD keine christliche Partei ist, sondern vielmehr national fokussiert ist. Allerdings hat die AfD Themen, die für Christen sehr zentral sind: ihre starke Kritik an der Abtreibung, die Ablehnung von Gender Mainstreaming – oder die Islam-Kritik“, fasst Bednarz zusammen. Ihnen gelte ein universalistisches Christentum als Abwehrbollwerk gegen den Islam, “manche wie der Publizist Matthias Matussek gehen sogar soweit, an einer Merkel muss weg!-Demo in Hamburg teilzunehmen“, meint Bednarz.

Päpstlicher als der Papst

Dabei ist die Ablehnung des Fremden wahrlich nicht christlich, sondern widerspricht vielmehr eklatant der Lehre beider Kirchen. Wie christlich sind solche Leute also wirklich? “Sie entstammen einem sehr frommen Milieu und tun sich auch bestärkt durch das Internet zusammen und pflegen gemeinsame Feindbilder. Dann wird Stimmung gegen Kirchenvertreter gemacht, zum Beispiel gegen den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, früher ein konservatives Vorbild, inzwischen eher ein Feindbild, weil er in der Flüchtlingsfrage sehr barmherzig agiert hat und auf der Domplatte ein Flüchtlingsboot aufstellen ließ. Auch der Papst wird als Plauderpapst tituliert. Damit wollen einige päpstlicher als der Papst sein, manche basteln sich dann wirklich ihre eigene Linie und lassen sich nicht mal von Kirchenvertretern zur Raison bringen“, berichtet Bednarz.

Wie viele Menschen dieser Klientel angehören, ist dabei schwer zu sagen, “es gibt keine validen Umfragen. Grob kann man von 20 bis 30 Prozent  des evangelikalen und streng katholischen Milieus ausgehen. Ihr Einfluss auf die Kirche ist nicht zu unterschätzen, gerade beim Gender-Thema lässt sich in der katholischen Kirche eine schleichende Einflussnahme feststellen“, warnt die Autorin. Doch wie können diese Menschen zurück in die politische Mitte geführt werden? “Sicher nicht durch Ausgrenzung“, ist sich Liane Bednarz sicher. 

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Hintergründe, Meinungen und Analysen im Dialog: Hier kommen Menschen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu Wort.