Oskar Roehler bei der Lola-Verleihung 2018 in Berlin (Bild: imago/Stefan Zeitz)
imago/Stefan Zeitz
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- Oskar Roehler - vor dem Kinostart "Herrliche Zeiten"

Oskar Roehler ist Enfant terrible, intellektueller Punk und ein Regisseur, der auch sich selbst und sein Leben immer wieder inszeniert hat. Mit der Romanverfilmung "Herrliche Zeiten" schickt er Oliver Massucci und Katja Riemann als neureiches Ehepaar auf einen satirischen Einfamilien-Villa-Trip. Alexander Soyez hat mit Oskar Roehler über Neureiche, Moralfragen, Idealismus und seinen Film gesprochen.

Gier, Bequemlichkeit, Überheblichkeit, Morallosigkeit: Oskar Roehler karikiert mit seinen Figuren in "Herrliche Zeiten" die Abgründe des menschlichen Naturells. Vorbilder für seine neureichen Protagonisten, die jegliche Bodenhaftung verloren haben, findet der Regisseur auch in seinem persönlichen Alltag. "Wenn ich zum Beispiel nach Mallorca fliege, dann stehen sie in den Fast Lanes: Blonde Frauen in Reiterstiefeln und Jackett mit Louis Vuitton- oder Gucci- Köfferchen, der Mann im Landhausstil, die Kinder sehen auch schon so aus. Dann werden sie in die erste Klasse geschippert.

Das sind genau die Leute, die man besonders mag beim Checkin: merkwürdige Leute, unglaublich affirmativ nach außen hin, anders als der bescheidene frühere Reiche. Sie tragen ihre Reichenuniform und schöpfen vor aller Augen ihre Privilegien aus. Diese Art von Zelebrieren des äußeren Status, mit einer dumpfen dummen Selbstverständlickeit die Leute zu brüskieren damit  - diese Klientel ist im Film vertreten."

"Ich bin kein Idealist und Menschenfreund"

Oskar Roehler lebt persönlich genau das Gegenteil dieser Spezies aus: "Wenn ich mich ganz primitiv als Upperclass bezeichne, dann bin ich ein absolutes Ausnahmephänomen. Ich bin immer noch wie vor 30 Jahren für alles empfänglich, ich kann mich mit jedem unterhalten und habe überhaupt keine Klassenanimositäten. Mir ist es nur wichtig, dass jemand in einer geistigen Auseinandersetzung mit seiner Welt ist."

Spannend findet Roehler die Frage, wie es um Moral bestellt ist, wenn man alles verlieren könnte: "Was tut man, sobald sich ein Hintertürchen öffnet, durch das du das Problem beiseite schaffen könntest?" Im Gespräch mit Alexander Soyez betont der Regisseur: "Ich bin überhaupt kein Idealist, der Mensch ist einfach nicht gut und dieser Planet ist einfach kein guter Ort. Meine Menschenliebe besteht im liebevollen Karikieren dieser Mängel und schlechten Eigenschaften."

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