Sebastian Bauer, Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen AiF (zu Inforadio Vis à vis, 28.03.2018
AiF e.V./J. Schulzki/www.fotografie-schulzki.de
Bild: AiF e.V./J. Schulzki/www.fotografie-schulzki.de

- AiF: Forschung im Dienste des Mittelstands

Auf Forschung und Entwicklung sind besonders kleine und mittelständische Unternehmen angewiesen. Denn nur so können sie sich im Wettbewerb mit großen Konzernen behaupten. Damit das klappt, werden sie von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen AiF unterstützt. Deren neuer Präsident ist der Familienunternehmer und Maschinenbau-Ingenieur Sebastian Bauer. Welche Akzente setzt er in der Gemeinschaftsforschung für den Mittelstand? Darüber hat sich André Tonn mit Sebastian Bauer unterhalten.

Bauer ist Vorsitzender der AiF seit gut zwei Monaten. Den Namen des Netzwerks haben viele Menschen noch nie gehört - auch viele Unternehmer. Bauer hat sich dagegen schon lange mit der AiF beschäftigt - "sie ist einzigartig auf der Welt". Gegründet wurde die AiF schon in der Gründungszeit der Bundesrepublik Anfang der 1950er Jahre, als sich Firmen zusammengetan haben, um miteinander vor-wettbewerblich zu forschen - "also nicht, um die Konkurrenz auszuhebeln, sondern um miteinander Grundlagen zu legen, die für alle die gleichen sind."

Bauer: "Engagement ist ein Geben und Nehmen"

Bauer leitet ein Spezial-Maschinenbauunternehmen in Oberbayern - ein Familienunternehmen, das Anlagen in alle Kontinente schickt. Sein Engagement in der Firma und der AiF unter einen Hut zu bekommen, sei nicht leicht, gibt er denn auch zu. Auch die Kollegen beäugen das schon skeptisch mit der Frage "Warum muss der sich immer in Berlin und Köln rumtreiben, anstatt für das eigene Unternehmen zu arbeiten?"

Bauer sieht das als Geben und Nehmen, denn man bekommt natürlich auch eine Menge Kontakte "und vor allem viel, viel Inspiration für eigene Ideen". Das Engagement des AiF besteht derzeit vor allem darin, "eine Umgebung für den forschungsaktiven Mittelstand zu schaffen, in dem er eben innovativ sein kann".

Wie können Konkurrenz und Ideenklau bei so einer Einrichtung abgewendet werden? Das sei allerdings "eine Gratwanderung", sagt Bauer. Geplant sei eine vor-wettbewerbliche Forschung - "Grundlagenforschung im Sinne des Wortes eher nicht". Die AiF kommt dann ins Spiel, wenn es konkret um die Anwendung geht, nämlich aus diesen Grundlagen Dinge zu machen, die die Menschen anwenden können.

Als Beispiel führt er die Schallübertragung an. "Wie der sich überträgt, weiß man schon seit 200 Jahren. Aber zu wissen: Wie berechne ich das so, dass ein Produkt, das neu auf den Markt kommt, nicht zu laut ist - dass ich nicht erst im Nachhinein rumbasteln muss, sondern dass ich schon früh erkenne: Wo kommen die Schallquellen her und wie kann ich sie isolieren? Das braucht immer noch eine ganze Menge Forschung." Hier versuche die AiF die Hochschulen so zu beeinflussen, dass die Ergebnisse anwendbar sind für die Wirtschaft.

Infos im WWW

Das Forschungsnetzwerk Mittelstand im Internet:

aif.de

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