Jo Fabian, Staatstheater Cottbus
Marlies Kross
Bild: Marlies Kross

- Jo Fabian: "Ohnmacht bringt uns nicht weiter"

Jo Fabian gilt als einer der aufregendsten deutschen Theaterregisseure der Gegenwart. Als Autor, Bühnenbildner, Choreograf, Lichtkünstler begreift er Theater als Gesamtkunstwerk. Seit dieser Spielzeit ist Fabian Schauspieldirektor am Staatstheater Cottbus - in der Stadt, die zurzeit nicht wegen der Kunst, sondern wegen einer wachsenden fremdenfeindlichen Stimmung in allen Medien ist. Wie kann, wie will, wie muss Kunst jetzt reagieren, um als Stimme der Zivilgesellschaft wahrgenommen zu werden? Sylvia Belka-Lorenz hat Jo Fabian danach gefragt.

Sein Amtsantritt war im Herbst, ausgerechnet zu jener Zeit, als bei der Bundestagswahl die AfD in Cottbus stärkste Kraft wurde. Der Berliner Jo Fabian sagte damals: "Ich bin hier genau richtig." Und diese Aussage hat sich inzwischen bestätigt, sagt er jetzt im Februar 2018. "Vor unseren Augen zeigt sich nun, wie wichtig Kultur und Kunst hier sind", betont er.

"Aus der Presse erfuhr ich: Ich sitze auf einem Vulkan!"

Cottbus - sein erster Eindruck war der einer "beruhigten und leeren Stadt". Dieser Eindruck werde nun durch Informationen verändert. "Ich musste mir selbst erst ein Bild machen auf der Demo am Sonnabend, ob das stimmt, dass hier verschiedene Meinungen aufeinanderprallen. Ich renne eben weniger in die Stadt als ins Theater und muss mir das selbst erst zusammensammeln. Erst aus der Presse habe ich erfahren, ich sitze auf einem Vulkan. Jetzt versuche ich mir einen Standpunkt zu erarbeiten und herauszufinden: Was soll man jetzt machen?"

"Wir wollen irritieren und aufregen"

Eine Haltung hat Jo Fabian allerdings schon: Zur großen Demo am Samstag in Cottbus gegen den Hass ließ er eine Probe seines Hauses ausfallen, damit alle dabei sein konnten. "Klar ist: Ohnmacht bringt uns nicht weiter. Ein erster Schritt ist, uns aus unseren Privatbereichen hinaus zu wagen. Und herauszufinden: Was sind die Ängste und Unsicherheiten derjenigen, die hinter der Fensterscheibe kleben bleiben?" Auch mit seiner Theaterarbeit will Fabian einen Beitrag in der Stadt leisten: Sein Haus soll "reflektieren, sich auseinandersetzen, bevor man spricht, keine Muster widerkäuen, die uns Applaus versprechen, sondern irritieren, aufregen und uns aus dieser Ohnmacht heraus bewegen."

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