Der Berliner Krimi-Autor in seiner Wohnung im Januar 2018 (Bild: Inforadio/Ulrike Bieritz)
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- Krimi-Autor Horst Bosetzky wird 80

Bekannt wurde er unter seinem Pseudonym –ky, unter dem er Berliner Krimis veröffentlicht hat. Zehn Jahre lang konnte Horst Bosetzky seine wahre Identität geheim halten. Denn eigentlich ist er Professor der Soziologie, Spezialgebiet Organisationstheorie. Doch seit 1971 ist der gebürtige Neuköllner auch über Berlin hinaus als Autor bekannt. Am Donnerstag wird Horst Bosetzky 80 Jahre alt. Ulrike Bieritz hat den inzwischen schwerkranken Vielschreiber zu Hause besucht.  

Es war lange vor den Zeiten der mysteriösen italienischen Bestsellerautorin Elena Ferrante, da rätselten Krimifreunde Buch um Buch über das Pseudonym -ky. Wer steckte hinter diesem ominösen Kürzel? Wer ließ da einen Oberkommissar Mannhardt so lebensnah und packend in den kniffligsten Fällen ermitteln - immer das Herz auf dem rechten Fleck?

Erst viele Jahre später gab sich der Autor als der renommierte Soziologieprofessor und Verwaltungsexperte Horst Bosetzky zu erkennen. Inzwischen hat er mehr als 60 Krimis geschrieben, dazu Romane, historische Biografien, Hörspiele, Drehbücher und eine vielbändige Familiensaga.

Am 1. Februar wird Horst Bosetzky 80 Jahre alt. Er ist dreifacher Vater und in zweiter Ehe verheiratet - mit einer 21 Jahre jüngeren ehemaligen Studentin.  

Mehrere Bosetzky-Krimis wurden verfilmt

Als Anfang der 70er Jahre seine ersten Krimis erschienen, wurden die handlichen rororo-Thriller schnell Kult. Bewusst griff der Autor brisante gesellschaftliche Themen auf wie Mobbing ("Ein Toter führt Regie"), Sektenwahn ("Einer will's gewesen sein") und Ausländerhass ("Feuer für den großen Drachen") - oft mit einem Bezug zu seiner Heimatstadt Berlin.

Der Autor und Kritiker Rudi Kost schrieb einmal: "-ky wurde geradezu zum Inbegriff des 'Sozio-Krimis', der die Leichen nicht zur gefälligen Abendunterhaltung liefert, sondern mit ihnen ausdrücklich aufklärerische Absichten verbindet."

Mehrere seiner Geschichten wurden verfilmt. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte 1974 die Kinoversion des Buchs "Einer von uns beiden" unter der Regie des späteren Hollywoodstars Wolfgang Petersen ("Das Boot"). Als 1981 auch der mehrfach ausgezeichnete Titel "Kein Reihenhaus für Robin Hood" auf die Leinwand kam, nutzte Bosetzky die Premiere dafür, das Geheimnis um sein Kürzel zu lüften.  

Neuköllner, Siemens-Lehrling und SPD-Mitglied

1938 in einfachen Verhältnissen in Berlin geboren und im Stadtteil Neukölln aufgewachsen, hatte Bosetzky zunächst eine Lehre als Industriekaufmann bei Siemens absolviert. Zum Schreiben kam er, weil er sich sein späteres Studium an der "linken" Berliner FU durch Groschenromane verdiente. Schon früh trat er in die SPD ein.

Von seiner eigenen Familiensaga, die sich detailfreudig und augenzwinkernd um sein Alter Ego Matuschewski rankt, sind inzwischen zehn Bände erschienen - angefangen bei "Brennholz für Kartoffelschalen" (1995) bis hin zu "Bratkartoffeln oder die Wege des Herrn" (2008).

Auch wenn in Zeiten von Globalisierung und Sci Fi die bodenständige Kriminalgeschichte nicht mehr so gefragt ist, sprudeln bei Bosetzky nach wie vor die Ideen. Mindestens zehn weitere große Geschichten habe er bereits im Computer, sagt er.

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