Gereon Sievernich vor dem Martin-Gropius-Bau in der Niederkirchnerstraße in Berlin-Kreuzberg (Bild: imago/Doris Spiekermann-Klaas)
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- "Jedes Ausstellungshaus ist politisch"

Man könnte ihn auch "Mister Gropius-Bau" nennen: Denn seit 2001 leitet Gereon Sievernich den Martin-Gropius-Bau und hat ihn zu einem der größten und erfolgreichsten Ausstellungshäuser in Berlin gemacht. Im Inforadio-Gespräch sagt er, dass jedes Museum aus einer gesellschaftlichen Diskussion entsteht und damit per se auch politisch ist. Ende Januar gibt Sievernich seinen Posten als Museumsdirektor nach 17 Jahren ab. Barbara Wiegand blickt mit ihm zurück auf eine ereignisreiche Zeit.  

Den Martin-Gropius-Bau zu führen, war ein stressiger Job für Gereon Sievernich. Da das Haus keine feste Sammlung besitzt, musste er zwölf Ausstellungen pro Jahr auf die Beine stellen und dafür jedes Mal das Geld auftreiben. Er freue sich schon darauf, bei seiner neuen Aufgabe als Kurator des Hauptstadtkulturfonds keine Sieben-Tage-Woche mehr zu haben, sagt Sievernich.

Keine eigene Sammlung zu haben, bezeichnet er aber auch als „die große Freiheit“. Denn man sei nicht gefesselt, wissenschaftlich nicht eingeschränkt und könne sich durch alle Epochen der Kunstgeschichte bewegen. "Da rücken die Disziplinen Archäologie, Kunstgeschichte und auch Ethnologie sehr eng aneinander. Wir haben im Gropius-Bau eigentlich auch immer versucht, diese Fachgrenzen zu ignorieren."

Eines war ihm bei seiner Arbeit immer besonders wichtig: „Wir wollen beim unserem Publikum das Sehen trainieren. Jede Generation sieht die Dinge etwas anders“, so Sievernich. Deswegen sei es unbedingt die Aufgabe von Ausstellungshäusern, immer wieder auch unbekannte und wiederentdeckte Künstler und Künste „auf die Bühne zu stellen“.  

Neue Aufgabe ab April

Am 31. Januar geht Sievernich offiziell in den Ruhestand, übernimmt dann aber ab April für zwei Jahre die Aufgabe des Kurators beim Hauptstadtkulturfonds. Er wird damit mitverantwortlich für die Förderung von bundesweit wichtigen Kulturprojekten in Berlin. Für den Fonds stellt der Bund jährlich 15 Millionen Euro zur Verfügung. Sievernich fühlt sich für die neue Aufgabe gut gewappnet: „Anträge prüfen und schreiben – das war ja mein Geschäft, seit ich Kulturmanager bin. Die Erfahrung ist da und ich freue mich auf diese Aufgabe.“

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, mit Sievernich werde ein höchst anerkannter Kultur- und Museumsmanager neuer Kurator. Wie sie dankte auch Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) dem scheidenden Amtsinhaber Sartorius für seine sachkundige und engagierte Arbeit.

(Mit Material von: dpa)

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