Der Jurist Frank Nürnberger (l) und der brandenburgische Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD
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- Frank Nürnberger: "Problemlöser" und "Tatmensch"

"Er ist einer unserer besten Leute", "er überzeugt alle", "in der größten Krise hat er Nervenstärke und Organisationstalent bewiesen" - das sind nur einige Zitate von Brandenburgs Innenminister über Frank Nürnberger - bislang Leiter der Zentralen Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt, ab Donnerstag offiziell neuer Chef des Verfassungsschutzes. Warum dem diese üppigen Vorschusslorbeeren eigentlich gar nicht so recht sind und was Bund und Land in Fragen der Einwanderungspolitik lernen müssen, das erzählt er im Vis à vis.

Mit dem Juristen Frank Nürnberger rückt ein Pragmatiker an die Spitze des Landesverfassungsschutzes. Als "Problemlöser" und "Tatmensch" charakterisiert Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) den Verwaltungsfachmann, den er nun zum Chef des Landesverfassungsschutzes berufen hat. Knapp fünf Jahre lang leitete der 46-Jährige die Zentrale Erstaufnahme für Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Er hat nach der Grenzöffnung 2015 mit der Aufnahme von Zehntausenden Flüchtlingen eine Herkules-Aufgabe gestemmt.

Traf man Nürnberger in dieser schwierigen Zeit auf dem Gelände der Erstaufnahme an - als viele Notzelte aufgestellt waren, um die Menschen unterzubringen - wirkte er stets ruhig und besonnen. Nürnberger behielt den Überblick - und war stets ansprechbar.

Seine bisherige Aufgabe hat Nürnberger Einblicke ermöglicht, die ihm bei seiner neuen durchaus hilfreich sein könnten: Denn dort wird er möglicherweise mit Islamisten zu tun haben, die er selbst im Land verteilt hat. Er warnt zwar davor, Menschen einer Ethnie über einen Kamm zu scheren, sagt aber auch: "Es ist schon auffällig, dass sich bei bestimmten Männern aus bestimmten Herkunftsländern die Probleme häufen." Insbesondere, diejenigen, die weder integrationsfähig noch – willig seien, stellten ein Problem dar. Man müsse klar machen, dass die Aufnahmebereitschaft Grenzen habe.

"Die Bürger erwarten Antworten"

Dass viele Bürger unzufrieden seien, versteht er gut: "Die Bürger erwarten Antworten, wie es weitergehen kann. Dass der Staat eben differenziert mit dem Thema umgeht, also diejenigen fördert, die Förderung brauchen und möchten und wo sie sinnvoll ist, und dass er dort aber auch mit allen gebotenen Mitteln repressiv agiert bei den Menschen, die unsere Werte eben nicht einhalten wollen."

Die Aufnahmepolitik seit 2015 sieht er kritisch, auch wenn er ihre Motivation versteht: "Wir müssen uns davon freimachen, zu glauben, dass alle ausländischen Menschen, die zu uns kommen, einfach nur gut sind. Wir haben eine gewisse Euphorie 2015 verspürt, wir fühlten uns endlich mal gut und haben auch gehofft, unsere historische Schuld ein bisschen abarbeiten zu können. Das war denk ich, doch in gewisser Hinsicht ein Irrtum. Wir müssen die Augen aufmachen und sagen: Um das Asylrecht zu schützen, um die Menschen zu schützen, die unsere Hilfe brauchen, müssen wir im gleichen Atemzug aber mit den Menschen, die unsere Hilfe missbrauchen anders umgehen. Ansonsten schaden wir auch den Menschen, denen wir helfen wollen.

Wir er plant, das alles umzusetzen, erzählt Frank Nürnberger Inforadio-Landesreporter Dominik Lenz.

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