Die Spezialeinheit der Bundespolizei (GSG9) in Sankt Augustin (Bild: Imago/Ute Grabowsky)
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- GSG9: Neue Anti-Terror-Einheit in Berlin

Die GSG9 der Bundespolizei ist die Elite-Einheit der Polizei in Deutschland. Ihr Mythos geht zurück auf die Befreiung der Geiseln in der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut" in Mogadischu 1977. Seitdem ist die GSG9 alles andere als untätig. Einmal die Woche ist sie durchschnittlich im Einsatz. Und sie will wachsen, plant neben dem Standort in St. Augustin einen zweiten in Berlin. Doch die Elitegruppe plagen Nachwuchssorgen, wie Jerome Fuchs, der Kommandeur der GSG9, im Vis à vis mit Michael Götschenberg verriet. 

Eigentlich war es gar nicht der Traumjob von Jerome Fuchs, diese Spezialeinheit der Bundespolizei. Doch wie so oft im Leben, es kam anders. Ein ehemaliger Einheitsführer der GSG9 hospitierte beim Bundeskriminalamt in der Abteilung von Fuchs und überzeugte diesen von der besonderen Aufgaben der GSG9. Fuchs bewarb sich. 20 Jahre ist das jetzt her. 

Psychische Belastungen und enorme Motivation

Bereut hat er seinen Wechsel vom BKA zur Elite nie. Doch er gibt zu, dass man schon einen Reiz verspüren müsse, etwas Besonderes leisten zu wollen. "Die Belastung ist auf jeden Fall enorm, die geistige Anspannung, die körperliche Anstrengung. Aber ich denke, wenn man es einmal geschafft hat zu der Einheit zu kommen, dann erlebt man – so kurios das ist, auch ganz besondere Momente", sagt Fuchs. Die GSG9 beschreibt er als Familie. 

Der Zusammenhalt und das Vertrauen seien aber auch unerlässlich bei den Aufgaben, die die Einheit bewerkstelligen muss. Viele Einsätze haben mit einem bewaffneten Gegenüber zu tun, Schusswaffen und Explosivmittel gehören dazu. Die GSG9 wird aber auch gerufen, wenn besondere Techniken oder Taktiken gefragt sind. Dazu gehören Schleuserverfahren oder ähnliches. Wer bei der GSG9 arbeitet, weiß, dass über ihm niemand mehr kommt. Keine speziellere Einheit kann die Einheit unterstützen. Wenn die GSG9 gerufen wird, geht es ums Ganze. 

Nachwuchs dringend gesucht

Deshalb müssten die Polizisten auch besonders psychisch belastbar sein. Fuchs legt viel Wert auf Fitness, charakterliche Stärke und Teamfähigkeit. Nachdem die Bewerber die grundsätzlichen Voraussetzungen wie eine obligatorische polizeiliche Grundausbildung und einer gewünschten Berufserfahrung im Revier erfüllt haben, findet deshalb ein mehrtägiges Auswahlverfahren mit Psychologen statt. Die darauf folgende Ausbildung ist umfangreich und teuer. Fuchs möchte seine Mitarbeiter möglichst lange halten. 

Die GSG9 hat große Probleme, Nachwuchs zu finden und setzt alle Anstrengungen in die Förderung. Doch vor allem die vielen Grundvoraussetzungen machen die Suche nicht einfacher. Dabei könnte die Spezialeinheit gerade jetzt viele neue Interessenten gebrauchen. Denn sie wächst. Neben dem traditionell nahe der alten Bundeshauptstadt Bonn gelegenen Einheit in St. Augustin soll als zweiter Standort Berlin aufgebaut werden. "Wir müssen uns auf jeden Fall in Berlin noch besser aufstellen, da gibt es ja Planungen. Die Zielrichtung ist klar: schnellere Reaktionen in der Hauptstadt". 

Seit Mogadischu ist viel passiert

Die GSG9 ist als Einheit in die Geschichte eingegangen, die die Geiseln in Mogadischu 1977 rettete. Fuchs ist jedoch wichtig, dass sie nicht darauf beschränkt bleibt. "Natürlich ist Mogadischu einer der, oder vielleicht wichtigster Einheit gewesen. Aber es wäre zu kurz gegriffen, sie darauf zu reduzieren." Es habe sich sehr viel in den letzten 45 Jahren weiterentwickelt. 

Inzwischen rechnet Fuchs, hat die GSG9 über 1900 Einsätze durchgeführt, circa 50 im Jahr. Und die Herausforderungen sind tatsächlich verändert. Gerade mit der gewachsenen Gefahr vor Terroranschläge in den vergangenen Jahre hab sich die Trainingslage für die Einheit verändert. Profitieren kann sie dabei von ihren europäischen Kollegen. Denn regelmäßig treffen sich die Spezialeinheiten, um über Erfahrungen bei Einsätzen zu sprechen. 

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