Gerd Liesegang, Vize-Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV) (Quelle: rbb/Abendschau)
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- Liesegang: "Wachsendes Berlin darf den Sport nicht vergessen"

Spieler, Trainer, Betreuer, Club-Vorsitzender und jetzt Vizechef des Berliner Fußball-Verbands (BFV) - Gerd Liesegang blickt auf fast 50 Jahre Engagement im Sport zurück. All das macht er ehrenamtlich, neben seinem Hauptberuf bei der BVG. Besonders wichtig sind ihm die Gewalt- und Suchtprävention sowie der Kampf gegen Homophobie. Mit welchen Schwierigkeiten Liesegang bei diesen Themen am Anfang zu kämpfen hatte und warum er in letzer Zeit immer öfter ans Aufhören denkt, darüber hat Friedrich Rößler mit ihm gesprochen.  

Was Liesegang seit Jahrzehnten bei seinem ehrenamtlichen Engagement antreibt, sind die Menschen, die er durch den Sport kennenlernt - vor allem die jungen Menschen: "Man trägt ein bisschen dazu bei, dass sie versuchen, auf eine vernünftige Linie zu kommen. Deswegen ist die Sache immer wieder schön."

Im August 1970 hat der BFV-Vizechef in Berlin-Kreuzberg mit dem Ehrenamt angefangen. "Man hatte mich gefragt, ob ich nicht Bock habe, Betreuer zu werden – und seit dem brennt das Feuer", sagt Liesegang.

Die Bedingungen damals seien andere gewesen als heute. "Kreuzberg war Mauergebiet. Das war eingezäunt, es gab überall Sackgassen." Und doch kämen manche Probleme immer wieder, wie etwa fehlende Trikots oder Bälle. Damals sei auch das Thema Migration schon langsam aufgekommen. "Mein erster Jugendlicher vom türkischen Stamm aus hieß Ugur", erinnert sich Liesegang.  

Engagement für Gewalt- und Suchtprävention und gegen Homophobie

Die Kreuzberger Jugendlichen seien nie einfach gewesen. Sie hätten nach der Wende Gewalt erlebt und selbst Gewalt ausgeübt, sagt Liesegang. Dadurch habe er angefangen, sich für das Thema Gewaltprävention zu interessieren. Anfangs war er damit noch ziemlich allein in Berlin: "Ich habe keine Hilfe gefunden in dieser Stadt. Und als ich 1998 dann in den Vorstand gewählt wurde, konnte ich mich mit dem Thema einbringen." Inzwischen habe der BFV ein großes Netzwerk aufgebaut.

Für Berlin wünscht sich Liesegang, dass die wachsende Stadt den Sport nicht vergisst. Es kämen immer mehr Menschen in die Hauptstadt - und die wollten sich sportlich betätigen. "Wenn Berlin immer mehr zugebaut wird und wir nicht erkennen, dass wir auch Sportanlagen brauchen, dann haben wir irgendwann Ballungsgebiete, wo sich keiner mehr bewegen kann", so Liesegang.

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