Lars Klingbeil auf dem SPD-Parteitag am 21. Januar 2018 in Bonn (Bild: imago/Ute Grabowsky)
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- Klingbeil kritisiert Juso-Aktion

Die Jusos sind gegen die Neuauflage der Großen Koalition – das ist bekannt. Um ihr Anliegen durchzusetzen, fordern sie nun Gegner der GroKo auf, schnell und möglichst zahlreich in die SPD einzutreten. Der Plan: Sie sollen bei dem Mitgliederentscheid über den geplanten Koalitionsvertrag mit der Union mit „Nein“ stimmen. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil kritisiert die Aktion. Im Gespräch mit Angela Ulrich aus dem Hauptstadtstudio sagt er, dass die Jusos damit den Boden der fairen Debatte verlassen.  

Die Jusos fordern Gegner der Großen Koalition zum Parteieintritt auf, damit diese bei der anstehenden Mitgliederbefragung mit "Nein" stimmen. Die Aktion stößt bei der SPD-Führung auf Kritik. Generalsekretär Klingbeil kündigte im Inforadio-Gespräch eine Stichtagsregel an: Der Parteivorstand werde festlegen, bis zu welchem Tag neue Mitglieder abstimmungsberechtigt sind.

Wörtlich erklärte Klingbeil: "Ich freue mich über jeden, der in die SPD eintritt und mitgestalten will. Aber was nicht geht ist, wenn man jetzt sagt: Tritt ein für zehn Euro und bleib zwei Monate Mitglied, stimm gegen die Große Koalition und geh dann wieder raus. Das entspricht nicht dem, was ich unter Parteiarbeit verstehe. Das reduziert auch den Wert einer Mitgliedschaft."

Dagegen müsse es eine klare Vereinbarung geben. Denn damit werde "der Boden dieser fairen Debatte verlassen. Es gehört sich nicht, dass man so argumentiert: Komm für zwei Monate zu uns und dann kannste wieder gehen."

Mehr Parteieintritte als sonst

Der Aufruf der Jusos zeigte offenbar Wirkung: Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP sind haben dem Parteitag am Sonntag mehr als 1600 Menschen einen Mitgliedsantrag gestellt.

Alleine in ihrem mitgliederstärksten Landesverband Nordrhein-Westfalen zählten die Sozialdemokraten seit Sonntag mehr als 500 Parteieintritte. Die SPD in Bayern sprach mit Stand Dienstagvormittag von 218, in Hessen von ungefähr 190 und in Baden-Württemberg von rund 150 Neueintritten. In Niedersachsen stellten 156 Menschen einen Aufnahmeantrag. "Das ist schon viel, viel mehr als wir sonst haben", sagte der niedersächsische Parteisprecher Axel Rienhoff.

Wieviele davon allerdings tatsächlich mit dem Vorsatz eingetreten sind, die GroKo zu verhindern und dann sofort wieder auszutreten, dürfte schwierig bzw. erst im Nachhinein festzustellen sein.

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