Andrej Holm,
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- Andrej Holm - ein Jahr nach dem Rücktritt

Am 16.Januar 2017, heute vor einem Jahr, trat Andrej Holm als Staatssekretär der Bausenatorin zurück. Nach wenigen Wochen im Amt. Der Streit um ihn hat den rot-rot-grünen Senat in seiner Anfangsphase schwer belastet. Holm hat sich durch seine Arbeit an der Humboldt-Universität einen Namen als Stadtsoziologe gemacht. Irina Grabowski hat im Januar 2017 eine Podiumsdiskussion mit Andrej Holm im Prenzlauer Berg erlebt, zu der es einen großen Andrang gab. Sie spricht mit ihm über Vergangenes und über sein Leben heute.

Im Fragebogen zur Stasi hatte er aber kein Kreuz bei hauptamtlicher Mitarbeiter gemacht, obwohl er das als Offiziersschüler war. Er gab an, beim Wachregiment gedient zu haben. Seine Antwort darauf, was er damals mit dem Ministerium für Staatssicherheit zu tun hat, wäre heute noch dieselbe wie 2007: "Ich habe dort eine Grundausbildung angefangen, ich sollte studieren und später Offizier im MfS werden."

Die Diskussion sei nicht um die Frage gegangen "war er nun bei der Stasi oder nicht", sondern es ging um die Frage: "Wie wird dieser Fakt einer begonnenen Ausbildung im Nachhinein beschrieben?" Das hätte man benennen müssen als ein vom ersten Tag an hauptamtliches Verhältnis bei der Staatssicherheit.

In seiner heutigen Tätigkeit als Stadtsoziologe spielt das Thema keine Rolle mehr. Er berät Mieter bei Wohnungs- und Sanierungsproblemen, er berät die Fraktion der Linken zu wohnungspolitsichen Fragen, und er arbeitet mit den Abgeordneten im dafür zuständigen Ausschuss zusammen. Außerdem hält er Vorträge vor Fachexperten aus der Wohnungswirtschaft oder von der Genossenschaften.

Seine Vergangenheit als "stasibelasteter Soziologe" ist da schon lange abgehakt. "Für die meisten Investoren spielt da eine Geschichte von vor 30 Jahren keine Rolle. Die sehen mich eher als jemanden, der nah an den aktuellen Regierungskonstellationen ist und der Politik mit gestaltet".

Die Zeit vor einem Jahr sei "natürlich sehr anstrengend gewesen. Die Kinder waren natürlich auch nicht glücklich, wenn der Papa jeden Tag mit Bildern und großen Schlagzeilen im Zeitungskiosk zu sehen ist." Er und seine Familie hätten in der Zeit aber auch sehr viel Unterstützung erfahren, sowohl von Freunden als auch von Unbekannten.

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