Karl-Ludwig Böttcher, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes in Brandenburg (Bild: Dominik Lenz/rbb)
Dominik Lenz/rbb
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- Karl-Ludwig Böttcher - Anwalt der Kommunen

Seit 24 Jahren ist Karl-Ludwig Böttcher der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes in Brandenburg. Angriffslustig, streitbar - wenn es sein muss auch gegen die eigenen Parteigenossen, so hat er die Interessen der 417 Städte und Gemeinden in der Mark vertreten. Kein anderer in Deutschland macht diese Arbeit länger als er. Ende Januar aber ist Schluss, dann geht er in den Ruhestand. Vorher hat Dominik Lenz noch einmal mit ihm gesprochen.

Er gilt ist dienstältester kommunaler Lobbyvertreter Deutschlands – und ist durchaus stolz darauf, wie er im Gespräch mit Dominik Lenz gesteht: "Ich habe 60 Ministerwechsel überlebt und bin immer noch da. Und dass ich so lange das Vertrauen der Städte und Gemeinden in Brandenburg, aber auch in Deutschland genießen darf, das macht mich schon stolz."

"Niemand darf sich abgehängt fühlen!"

Angetreten hat Böttcher das Amt vor 24 Jahren, damals herrschten wirtschaftlich finstere Zeiten in Brandenburg. Die kommunale Selbstverwaltung hat er mit aufgebaut und zieht nun zum Ende seiner Arbeitszeit eine positive Bilanz: "Das Land steht inzwischen im Vergleich zu den frühen 1990er Jahren gut da. 2017 war ein außerdordentlich gutes Wirtschaftsjahr in Brandenburg, das gilt es jetzt zu stabilisieren."

Sein Hauptanliegen dabei: "Wir dürfen die Schere zwischen finanzschwachen und finanzsstarken Städten und Gemeinden nicht weiter auseinanderdriften lassen. Der Populismus ist im Aufschwung begriffen, da müssen wir aufpasssen!" Niemand dürfe sich abgehängt fühlen, warnt das SPD-Mitglied Böttcher. Der Rückzug der demokratischen Parteien aus den ländlichen Räumen finde seit langem statt, "da sind alle Parteien gefragt!", betont Böttcher.

"Digitalisierung erfordert kommunale Reformen"

Gegen die letztlich gescheiterte Kreisgebietsreform der rot-roten Landesregierung hat Böttcher selbst aktiv mitgekämpft. Gleichwohl mahnt das SPD-Mitglied Reformen an: "Wir haben seit 1990 die Verwaltungsreformen immer aktiv begleitet. Das, was davon übrig geblieben ist, war nur noch der Blick auf eine Neujustierung der Kreisgebiete, das war herzlich wenig. Eine Strukturreform auf allen Ebenen war nicht mehr zu erkennen." Dabei brauche man eine solche äußerst dringend, gerade in Zeiten der Digitalisierung: "Die kann nur interkommunal realisiert werden", mahnt der scheidende "Anwalt der Kommunen" an.

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