Sonja Longolius und Janika Gelinek leiten seit 1. Januar 2018 das Literaturhaus Berlin
Nina Zimmermann, Literaturhaus Berlin
Bild: Nina Zimmermann, Literaturhaus Berlin

- Gelinek und Longolius: eingespielte Doppelspitze im Literaturhaus

Am 1. Januar ging im Literaturhaus Berlin eine Ära zu Ende. Der langjährige Chef Ernest Wichner nahm seinen Hut, nach fast 30 Jahren zunächst als Stellvertreter, dann als Leiter. Er hat sein Haus in der Fasanenstraße 23, gleich um die Ecke vom Ku'damm, an die nächste Generation übergeben. Janika Gelinek und Sonja Longolius, beide 38, sind die neuen Chefinnen des Literaturhauses. Krempeln sie das Traditionshaus jetzt völlig um? Nadine Kreuzahler hat mit den beiden über ihre Pläne gesprochen.

Im Tandem klappt's am besten - dieser festen Überzeugung sind Janika Gelinek und Sonja Longlius, beide Jahrgang 1979. Mit der logischen Konsequenz: beide Literaturwissenschaftlerinnen teilen sich das Büro - und haben sich um die Position, die bislang immer nur von einer Person an der Spitze des Literaturhauses ausgeübt wurde, auch gemeinsam beworben. "Wir haben schon jetzt gemerkt, wie produktiv dieser Austausch ist", schwärmt Gelinek. "Das ist ja auch eine sehr zeitgemäße Form der Arbeit. Und das dialogische Arbeiten entspricht ja auch dem, worum es hier im Literaturhaus geht: Sprache, Literatur, Kommunikation", ergänzt Longolius.

Old school trifft auf digital nerd

Beide kennen sich seit 2000 aus einer Kreuzberger WG. Während sich die eine eher als "old-school" bezeichnet, sieht sich die andere als "digital nerd" - "Sonja kann es kaum fassen, dass ich nicht bei facebook bin", meint Janika Gelinek. Damit hätten beide eine große Spannbreite, "die vielleicht auch unserem Publikum zu Gute kommt", so Gelinek. "Janika hat als Germanistin, Romanistin und Philosophin viele Jahre für Verlage gearbeitet, ich bin auch Literaturwissenschaftlerin, aber ich habe eben diesen Ausstellungshintergrund, da ich als Kuratorin gearbeitet habe. Beide Teile sind ganz praktisch und lassen sich sehr gut ergänzen", freut sich Longolius.

Kommt jetzt die Verjüngungskur?

Beide wollen nun ganz bewusst auch politische Akzente im Literaturhaus setzen, was der Schwerpunkt "Europäische Revolutionen 1968 – 1989" oder auch viel Raum für arabische Literatur beweisen: "Wir wollen eben wissen, warum haben wir gerade so viel Exil in Berlin? Themen, die die Gesellschaft beschäftigen, werden hier immer eine große Rolle spielen", betont Gelinek.  

Beide sind gerade mal Ende dreißig - bei einem Publikum, das bislang eher 45plus entsprach. Kommt jetzt also die Verjüngungskur? "Sicher ist es auch unser Auftrag, das Alter unserer Besucher etwas zu verjüngen und das Publikum an sich zu diversifizieren. Grundsätzlich soll sich aber die ganze Stadt bei uns willkommen fühlen", wünschen sich beide.

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