Döner Kebab
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Bild: imago/Stefan M Prager

- "Berlin's Döner" - der Renner in Los Angeles

"Kalifornien - da will ich hin." Das haben wahrscheinlich schon hunderttausende Deutsche gedacht. Zehntausende haben das auf den unterschiedlichsten Wegen in die Tat umgesetzt. Viele - gerade junge - zieht es ins Silicon Valley, wo das Herz der Digital-Industrie sitzt. Andere versuchen ihr Glück irgendwo in der Filmbranche - Hauptsache in der Nähe der Traumfabrik Hollywood. Aber es geht auch ganz anders, wenn man sich genau umsieht und eine gute Idee hat. Simon Classen hatte so eine - er hat den Döner nach Los Angeles gebracht. Nicole Markwald hat mit ihm über seine Geschichte gesprochen.

Nach Los Angeles kam er 2012 mit seiner Frau und (damals noch) einem Kind. Damals entstand die Idee, sich ein zweites Standbein neben dem Job bei einer großen Firma aufzubauen. "Da habe ich einfach die Augen offen gehalten und mich gefragt: Was fehlt hier in L.A.?" Die Antwort fiel überraschend einfach: Döner. Die habe er damals schmerzlich vermisst, weil er sie in Deutschland so gerne aß.

Erster Testballon: Ein Festival

Auch sein Bruder war von dem Vorschlag begeistert. Der eignete sich in Berlin das Know-How an, während Simon sich vor Ort um den Papierkram kümmerte. Der nächste Schritt bestand darin, sich in L.A. die nötigen Gerätschaften zu besorgen. "Dann haben wir ein paar Gartenparties mit Freunden geschmissen, um unsere ersten Fleischversuche zu testen." Der erste Versuch war die gastronomische Versorgung eines Festivals, bei dem 2.000 Leute erwartet wurden und 5.000 kamen. "Das hat unheimlich gut gezogen; wir hatten Schlangen und die Leute haben teilweise eine Stunde angestanden, um bei uns Essen zu bekommen."

Döner statt Bubble Tea

Die nächste Schwierigkeit bestand darin, in L.A. ein Restaurant zu finden, das mit wenig Geld umgebaut werden konnte und in der richtigen Lage war. Solche Angebote gibt es im Internet immer wieder; fündig wurden sie mit einer ehemaligen "Bubble Tea"-Filiale. Deren Klientel interessierte sich offenbar auch für Döner - unter anderm, weil der Tee weiter angeboten wurde. Was dazu führte, dass der Laden schon nach zwei Monaten Gewinn abwarf.

Die Zahlen überzeugten ihn: "Das läuft!"

Den Laden nannten sie von Anfang an "Berlin's" - die deutsche Hauptstadt gilt gerade in ihrer Partnerstadt Los Angeles als hip und attraktiv. Das Geschäft läuft weiter prächtig. Simon ist für die Finanzen zuständig, und sein Bruder für's Operative. Die erste Zeit sei allerdings "unheimlich anstrengend" gewesen: Handwerker ließen sie hängen, und die beiden Gastronomen in spe mussten den Tresen selbst zusammenschrauben bis spät in die Nacht. Skeptisch sei er oft gewesen - "aber immer wenn ich mir die Zahlen angeguckt habe, habe ich gedacht: Das läuft!"

Der große Unterschied: Das Geld sitzt lockerer

Und wie ist es nun um den "California Spirit" bestellt, den andere immer wieder preisen?

Die generelle Unternehmerfreundlichkeit kann Simon schon bestätigen, obwohl er einräumt, keinen Vergleich als Unternehmer in Deutschland zu haben. Aber auch in Kalifornien gebe es "unheimlich viele Probleme und Reglements, in die du reinläufst. Es ist nicht so, dass dir jemand was schenkt und das Gesundheitsamt dich einfach Döner machen lässt". Einmal habe er kurz davor gestanden aufzugeben angesichts der vielen Regeln, die erfüllt werden mussten.

Einen großen Unterschied gebe es allerdings: Das Geld sitzt lockerer - "sowohl bei der Bevölkerung als auch bei den Geldgebern. Die Amerikaner gehen dreimal am Tag essen - das heißt, einmal davon ist Döner. Die Möglichkeit, dass Du Erfolg hast, ist einfach höher."

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