Juli Zeh liest am 13.11.2017 im großen Sendesaal des rbb aus ihrem neuen Roman "Leere Herzen". (Quelle: rbb Fernsehen/rbb Aktuell)
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Juli Zeh liest im großen Sendesaal des rbb aus ihrem neuen Roman "Leere Herzen" | Bild: rbb Fernsehen/rbb Aktuell

- Juli Zehs bislang politischster Roman: "Leere Herzen"

"Leere Herzen" - so heißt der letzte Roman von Juli Zeh. Sie gehört seit Jahren zu den wichtigsten Schriftstellerinnen in Deutschland, ihr aktueller Roman ist ihr politischster bisher, sagt sie selbst. Er spielt in der nahen Zukunft. Die Bewegung Besorgter Bürger regiert, die Menschen ziehen sich ins Private zurück, und alles, sogar Terroranschläge, wird vermarktet. Inforadio-Kulturreporterin Nadine Kreuzahler hat "Leere Herzen" gelesen und Juli Zeh  getroffen.

Das Buch spielt in Braunschweig - und das ist kein Zufall. "Mittelstädte wie Braunschweig kommen unserem Bedürfnis nach einem einfachen, störungsfreien, sicheren und effizienten Lebensstil sehr entgegen. Es ist von allem alles da, aber auch nicht zu viel; die Wege sind kurz, die Architektur ist praktisch. Man wird sozusagen von der Stadt nicht belästigt", erklärt Zeh.

Die "Bewegung Besorgter Bürger" hat nun also die Wahlen gewonnen, Europa zerfällt...  und trotzdem scheinen sich die Leute daran zu gewöhnen, sich mit der Situation zu arrangieren. Deshalb geht es den Menschen im Buch auch nicht unbedingt schlechter als vorher, erzählt die Autorin: "Die Regierung schließt zwar die Grenzen und kehrt der EU den Rücken zu. Aber sie sorgt schon auch dafür, dass die Menschen im Land gut aufgestellt sind, sich sicher fühlen, vielleicht sogar weniger bedroht fühlen von Zukunftsfragen. Und dann zucken sie mit den Achseln und denken sich: Vielleicht sind das keine Demokraten - aber wenn man richtig guckt, tut's auch keinem weh."

Leere Herzen in uns selbst

Juli Zeh versucht auch in ihrem neuen Roman, die Probleme in uns selbst zu sehen: "Also nicht nur zu sagen: Was macht denn jetzt die Politik falsch? Sondern sich selber auch zu hinterfagen: Inwieweit bin ich denn Teil des ganzen Phänomens?" Und deshalb stellt sich Zeh die Frage: "Selbst wenn ich jetzt nicht die AfD wähle - bin ich dann trotzdem ein Teil dieser Entwicklung?"

(Wdh. v. 13.11.2017).

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