Schriftzug "Prachtregion.de" auf der Hose einer Volleyballerin des VfB Suhl Lotto
Landkreis Schmalkalden-Meiningen
Bild: Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Draufgehalten | 05.11.2018 - Von Tugendwächtern und Prachtregionen

Die Volleyballerinnen des Bundesligisten VfB Suhl Lotto werben auf ihren Spielhosen für die Internetseite des angrenzenden Landkreises Schmalkalden-Meiningen. Deshalb ziert die Aufschrift "prachtregion.de" den Po einer jeden Spielerin. Einige Menschen finden das offensichtlich herabwürdigend und haben sich aus diesem Grund beim Deutschen Werberat beschwert. Thomas Kroh fragt sich in seiner Kolumne: Wo soll das nur enden?

Mal abgesehen davon, dass sich über den Slogan "prachtregion.de" auf dem durchtrainierten Musculus gluteus maximus einer Leistungssportlerin nur ein verbiesterter, humorloser und jegliche Körperertüchtigung verweigernder Couch-Potato ereifern kann, besorgt mich an diesem vermeintlichen Fall von Sexismus etwas gänzlich anderes; und zwar die Tatsache, dass hierzulande das Anschwärzen im Gegensatz zum Handwerk offenbar keinerlei Personalmangel zu beklagen hat.

Ich habe nämlich in keinem Artikel über Thüringens "Prachtregion" einen Hinweis darauf gefunden, wer die Beschwerde vorgetragen hat. Klar, der Werberat darf den oder die Namen aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlichen, aber wem etwas nicht passt, der sollte auch zu seiner Meinung stehen.

Dafür bin ich auf die Internetseite PINKSTINKS gestoßen, die ihre Leser animiert, sexistische Werbung zu melden. "Schreib uns und wir verschicken eine Kopie an den Deutschen Werberat!" Hoffmann von Fallersleben hat’s drastisch ausgedrückt: "Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant."

Ich bestreite nicht, dass es nach wie vor frauenfeindliche Reklame gibt. Doch wer bestimmt, was sexistisch ist? Selbsternannte Tugendwächter wie die Leute von PINKSTINKS mit einer Dozentin für Genderforschung an der Spitze?

Der Volleyball-Weltverband hat vor sechs Jahren die Kleider-Ordnung für Beach-Volleyballerinnen geändert und festgelegt, dass die Damen nicht mehr nur zwischen einem Badeanzug wählen dürfen und einem Bikinihöschen, das an den Seiten maximal sieben Zentimeter breit sein darf. Längst sind auch Shorts erlaubt, die bis fast zu den Knien reichen. Allein, die meisten Spielerinnen hechten nach wie vor nur mit dem Nötigsten bekleidet im Sand umher.

Olympiasiegerin Laura Ludwig gab damals zu Protokoll, die Frauen freuten sich, im Bikini zu spielen. Das sei ihre Arbeitsbekleidung. Und wer die Grazien in Aktion sieht, der muss schon mit einem ganzen Sack voller Vorurteile beladen sein, wenn er glaubt, alte Sabbersäcke aus der Verbandsspitze hätten Ludwig und ihre Kolleginnen zu solchen Aussagen gezwungen.

Die Suhler Angreiferin Claudia Steger sagt, der Werbespruch sei kein Problem. Schwierigkeiten mit der "Prachtregion" haben offensichtlich nur die Beschwerdeführer beim Werberat. Wer auch immer sie sein mögen!