Eliud Kipchoge gewinnt den 45. BMW-Berlin-Marathon in Weltbestzeit (Bild: dpa)
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Draufgehalten |17. September 2018 - Überlasst das Gewetze Eliud Kipchoge!

Der Berlin-Marathon hat es wieder einmal eindrucksvoll bewiesen - nicht nur wegen des unfassbaren Weltrekords von Eliud Kipchoge: Laufen ist nach wie vor en vogue, auch in der Fußball-Bundesliga. Das ist dem Spiel allerdings nicht zuträglich, meint Thomas Kroh in seiner Kolumne "Draufgehalten".

Es fängt schon mit dem Auflaufen an. Wenn die Gladiatoren des 21. Jahrhunderts in der Arena erscheinen, scheppert Musik in einer Lautstärke aus den Mega-Boxen, dass selbst Motörhead-Boss Lemmy Kilmister sich die Gehörgänge mit Isolierschaum schalldicht verfugen würde, säße er nicht längst mit einer "Jack-and-Coke-Dröhnung" in der Rocker-Hölle.

Kein Wunder, dass die deutlich zarter besaiteten Kicker-Gemüter in den ersten Minuten nach dem Anpfiff auf dem Rasen herumirren wie eine Horde Riesenmausmakis auf Tequila intravenös.

Sobald sie dann wieder halbwegs bei klarem Verstande sind und die verrutschten Koordinaten geordnet haben, besinnen sie sich aber nicht etwa auf ein gepflegtes Passspiel, sondern spulen erst einmal Kilometer in einem irrsinnigen Tempo ab, dass selbst der gute Eliud ihnen hinterher hecheln würde wie ein übergewichtiger Kettenraucher mit dem Wochenendeinkauf einer anfahrenden Straßenbahn. Benutzer des ÖPNV wissen wovon ich spreche.

Das geht so bis etwa zur 75. Minute. Dann lassen die Kräfte nach und die Zeit der Fußball-SPIELER beginnt, wie Sie es am Sonnabend in der ARD-Bundesliga-Konferenz hier in diesem Sender verfolgen konnten. Jetzt öffnen sich den auf dem Platz verbliebenen Virtuosen mit Übersicht Lücken in den bis dato schier unüberwindlichen Verteidigungsanlagen hüben wie drüben und das Runde landet dort wo es hingehört, nicht in der Flutlichtanlage oder in der Erdumlaufbahn, sondern im Eckigen.

Wäre Fußball auch schon vor 40 Jahren auf solch hetzende Art gespielt worden, Günther Netzer hätte sich - aus der Tiefe des Raumes kommend - unmittelbar vor dem Stadion zum Bouleplatz verdrückt, um sich dort mit Bernd Schuster über die Kaputten lustig zu machen.

So wie ein Tor einem Spiel gut tut, genauso ist weniger Rennen ein Mehr an fußballerischer Klasse. Der Kaiser hat schließlich gesagt: "Geht's raus und spielt's Fußball." Von Rennen war keine Rede. Also ihr Kicker der Welt: Überlasst das Gewetze Männern wie Eliud Kipchoge.

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