Olympisches Dorf in Pyeongchang
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Draufgehalten | 05.02.2018 - Schandtaten im Zeichen der Ringe

Am Freitag werden die Olympischen Winterspiele von Pyeongchang eröffnet. Thomas Kroh hatte sich fest vorgenommen, dem Sportfest mit unbändiger Vorfreude entgegenzufiebern. Nach dem Studium einer Reihe von Berichten hält sich sein Entzücken jedoch in Grenzen, wie Sie seiner Kolumne "Draufgehalten" unschwer entnehmen werden.

Gegen die Winterspiele mit ihrem Olympischen Nest wirkt ein Potjomkinsches Dorf wie eine bis ins kleinste Detail durchdachte Muster-Siedlung. Pyeongchang liegt im armen, vergreisten Nordosten Südkoreas und hat - obwohl Namensgeber - mit dem bevorstehenden Aberwitz nichts zu tun. Denn die Kreisstadt dämmert 40 Kilometer vom olympischen Epizentrum entfernt vor sich hin.

Der Pogo soll in einem Kaff namens Daegwallyeong abgehen, dessen 6.000 Hanseln sechs Mal im Olympiastadion Platz finden würden. Aber die Einwohner müssen keinen "Weißen Elefanten" fürchten wie die Brasilianer nach den Spielen von Rio, denn die Arena, deren sinnloser Bau 61 Millionen Euro verschlungen hat, wird nach der Schlussfeier platt gemacht. Krawumm und wech das Ding!

Gleiches gilt für die Abfahrts-Piste, deren Gefälle wohl nicht ganz den Erwartungen der Weltspitze entspricht. Der Italiener Innerhofer meinte, man sei auf dieser Strecke so langsam unterwegs, dass das Fernsehen sich die Zeitlupen sparen könne. Die Alpinen aus Polynesien wird's freuen. Aber wie gesagt, nach den Spielen verschwindet der "Idioten-Hügel", denn für ihn wurde auf einem heiligen Berg ebenso heiliger, 1000 Jahre alter Wald weggeholzt, der in jüngerer Zeit selbst japanischen Invasoren getrotzt und den Koreakrieg unbeschadet überstanden hatte. Gegen Olympia aber reichten seine magischen Kräfte nicht aus. Dieser, den Winterspielen geopferte, weihevolle Hain wird nun - "after the show" - wieder aufgeforstet.

Eine Schandtat im Zeichen der Ringe, die umso irrsinniger erscheint angesichts der Tatsache, dass die Südkoreaner mit den seltsamen Leibesertüchtigungen ihrer Gäste in klirrender Kälte, die dieser Nächte minus 20 Grad Celsius erreicht, nichts anfangen können. Zudem fehlt den abgebrannten Schluckern aus der bäuerlichen Provinz das Geld für die teuren Eintrittskarten, weshalb unter anderem Firmen ganze Kontingente aufgekauft haben, damit die Tribünen an den Wettkampfstätten nicht aussehen wie der Platz des Himmlischen Friedens nach der Säuberung durch die chinesische Armee.

Aber damit nicht genug des Absurden. Um etwa im Eishockey von den Grobianen aus USA und Kanada nicht aus der Halle gecheckt zu werden, riefen die körperlich weniger robusten Gastgeber koreanischstämmige Nordamerikaner zu den Schlägern ihrer Vorfahren, samt einer Hand voll weißer Kufencracks aus nämlichen Staaten. So könnte was gehen, zumal die NHL ihre Stars für das olympische Turnier nicht freigestellt hat.

Ich will Ihnen diese Wintersause aber nicht restlos vergällen und ende deshalb mit dem Spruch der alten Römer: Ludi incipiant - "Die Spiele mögen beginnen." - Wenn's denn unbedingt sein muss!

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
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