Transparente im BVB-Fanblock am 10.11.18 (Bild: imago/Sven Simon)
imago/Sven Simon
Bild: imago/Sven Simon

Draufgehalten | 12.11.2018 - Perfekte Werbung in eigener Sache

Was für ein Fußball-Spiel! Dortmund ringt die Bayern in einer epischen Partie nieder. Ein Ereignis geradezu in der Bundesliga, an dem Thomas Kroh in seiner Kolumne Draufgehalten nicht vorbeikommt.

Wer nach diesem Abend von Dortmund mit Fußball noch immer nichts anfangen kann, der soll doch zum Unterwassermikado gehen. Denn das war endlich wieder einmal große Oper auf janz großer Bühne.

Und die Akteure haben sogar Nietzsche widerlegt, der für irgendein ästhetisches Thun und Schauen als unumgängliche physiologische Vorbedingung den Rausch genannt hat. Nein, hier haben Thun und Schauen den Rausch erst erzeugt, sowohl auf dem Rasen als auch auf den Rängen.

Neue Stars für den FC Bayern!

Die "alten" Bayern haben sich noch einmal aufgebäumt für eine letzte gewaltige Schlacht, was zur Folge hat, dass der bewundernswerte Ribery die anstehende Länderspielpause im Sauerstoffzelt verbringen dürfte.

Bezeichnend aber auch, dass es ausgerechnet der 35-jährige Franzose war, der - zwanzig Minuten vor dem Abpfiff, am Ende seiner Kräfte - den Ball vor des Gegners Strafraum verlor und so dessen Sieg bringenden Konter verschuldete.

Nach diesem fußballerischen Furor Teutonicus steht fest, dass der Rekordmeister aus München seine Mannschaft radikal umbauen muss, will er auch künftig nicht nur in der Champions League erfolgreich mitmischen, sondern ebenso dahoam in der Bundesliga dieser hochtalentierten jungen Borussen-Elf gewachsen sein.

Und da wir sicher sein können, dass das bajuwarische Zweigstirn Ulli und Kalle im nächsten Sommer das überquellende Festgeldkonto für neue Stars plündern wird, sollten ebenso hochklassige wie spannende Meisterschaften vor uns liegen, Titelkämpfe, die nicht schon zu Ostern zugunsten des FC Bayern München entschieden sind. Für Grundschüler eine neue Erfahrung.

Ebenfalls erfreulich, dass bei allem Kommerz auch bei diesem Gipfeltreffen die Fußball-Folklore nicht zu kurz kam: eine Bierdusche von den billigen Plätzen etwa für die Bayern-Bosse. Und angesichts des vergleichsweise moderaten Preises im Dortmunder Stadion von 3,90 Euro für den halben Liter muss ich mich auch nicht fragen, ob da wer zu viel Knete in der Tasche hatte.

Und das riesengroße Transparent "Nein zur Super League!", mit dem die BVB-Fans ihren Unmut über angebliche Bestrebungen der Bayern und Dortmunds zu Protokoll gaben, sich in einen europäischen Klub der Reichen zu verdünnerisieren.