Bayern-Torwart Manuel Neuer im Spiel 1.BL, 12.Spieltag, FC Bayern München vs. Fortuna Düsseldorf
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Bild: imago/Roland Krivec/DeFodi.eu

Draufgehalten | 26.11.2018 - Ist der Meister zu doof - oder zu renitent?

Ein übermächtiger FC Bayern München hat jahrelang die Fußball-Bundesliga terrorisiert. Jetzt taumelt der Rote Riese. Selbst gegen den Aufsteiger und Tabellenvorletzten Fortuna Düsseldorf schaffte der deutsche Rekordmeister im eigenen Stadion nur ein Unentschieden. Und so muss sich denn Thomas Kroh heute in seiner Kolumne "Draufgehalten" noch einmal mit den Bayern beschäftigen.


3:3 gegen Fortuna Düsseldorf.

Vereins-Patron Uli Hoeneß jammerte, nach dem Ausgleich der rheinischen Grobmotoriker habe er gedacht, die Welt gehe unter. Immerhin, nicht verloren! Mensch Uli, alte Tomate, hätte schlimmer kommen können.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Morgen zum Beispiel, in der Champions League dahoam gegen Benfica Lissabon. Die Portugiesen werden janz jenau hingeschaut haben. Düsseldorf mit vier Mann in der Verteidigung, davor lässig eine Fünferkette aufgereiht und vorn der raketenschnelle Lukebakio allein zu Haus im Sturm, bedient nach altbewährtem Kreisligamotto: "Hoch und weit bringt Sicherheit."

Die Pille schmerzfrei aus der Abwehr über den halben Platz gedroschen - und zack, die Murmel in Neuers Kasten eingeklinkt.

Das sollte Benfica auch hinbekommen; zumal der Welt bester Torwächter, der Kerberos des Fußballs, derzeit herumwieselt wie ein Steppeniltis auf Speed. Die Verteidigungsanlage der Bayern also einsturzgefährdet wie die Elsenbrücke in Treptow. Und das gilt für das gesamte Mannschaftsgefüge.

Trainer Kovac wird sich denken: Wär ich bloß bei der Eintracht geblieben! Wer weiß, laut Peter-Prinzip erreicht jeder Mensch irgendwann die höchste Stufe der eigenen Unfähigkeit. Vielleicht ist es beim guten Nico so weit. Aber Steppeniltis Neuer sagt ja, wenn sie das getan hätten, was der Trainer ihnen mitgegeben habe, hätten sie 5:0 gewonnen.

Haben sie aber nicht. Was - einmal durch die Umwälzpumpe gejagt - bedeutet, dass die Meisterspieler entweder zu doof sind, oder nicht mehr auf ihren Trainer hören. Das Eine wäre so fatal wie das Andere.

Natürlich hat Nico Kovac diesen Schlamassel nicht allein zu verantworten, aber ihn wird es treffen, wenn Cheffe am heimischen Tegernsee zu der Erkenntnis gelangt, dass es angesichts eines drohenden Weltuntergangs doch besser wäre, seinen neuen Übungsleiter eben nicht - wie noch vor einigen Wochen versichert - bis aufs Blut zu verteidigen.

Und so wie Uli drauf ist, würde es mich nicht wundern, wenn er demnächst im idyllischen Flecken Schwalmtal am Niederrhein auftaucht - selbst auf die Gefahr hin, dass sein alter Spezi Jupp Heynckes seinen Schäferhund Cando auf ihn hetzt.

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
dpa

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