Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (FC Bayern München)
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Draufgehalten | 22.10.2018 - Voll an den echten Themen vorbei!

Seit Freitag arbeitet sich der deutsche Fußball - Medien wie Beteiligte - an der Pressekonferenz der Bayern-Bosse ab. Und Thomas Kroh fragt sich in seiner Kolumne "Draufgehalten": Geht's noch?

Messi, des Fußball-Gottes Zweitgeborener vom FC Barcelona, hat sich den Arm gebrochen - ausgerechnet vor dem Clásico gegen Real Madrid. Das ist ein Thema! Oder, dass die Koksnase von einem Erstgeborenen namens Diego jetzt als Trainer bei einem mexikanischen Zweitligisten anstellig ist, ausgerechnet im Bundesstaat Sinaloa, dessen weltweite Bekanntheit auf dem blutigen Wirken des ortsässigen Drogen-Kartells fußt. Ja, auch das ist ein Thema!

Aber doch nicht dieser unfreiwillig komische Auftritt von Uli Hoeneß und Kalle Rummenigge, die jetzt in der Kategorie Fremdschämen durchaus mit Borat-Erfinder Sacha Baron Cohen konkurrieren können. Und der spielt - was das betrifft - Champions League. Aber darunter machen's die Bayern ja nicht.

Wegen berechtigter Kritik seitens der Journaille - z.B. an der behäbigen Spielweise - mit Verweis auf Artikel 1 des Grundgesetzes die unantastbare Würde des Menschen einklagen und im selben Atemzug einen ehemaligen Spieler wie Juan Bernat ans Kreuz nageln: Da diagnostiziert jeder Arzt eine unheilbare Wahrnehmungsstörung mit Realitätsverlust im Endstadium.

Ich dachte bis Freitag, Uli würde am Tegernsee leben und nicht in einer - seiner - eigenen Welt, die sich offensichtlich in einer weit, weit entfernten Galaxis befindet, in der Kalle als Charles-Bronson-Klon Richter Gnadenlos spielen darf: "Das Grundgesetz bin ich!"
Und wer dagegen verstößt, der wird künftig mit zwei Stunden Steiners Theaterstadl bestraft - täglich - jeweils morgens und abends! Nachts wird volle Lotte mit Stoiber-Reden beschallt.

Und ich hätte noch ein Thema, mit dem sich Vereine, Fans, Verbände und nicht zuletzt namhaft besetzte TV-Runden auseinandersetzen könnten, anstatt das wirre Gesabbel der bajuwarischen Doppelgänger von Waldorf und Statler zu kommentieren: Christiano Ronaldo!

Die Polizei von Las Vegas ermittelt gegen den vorbestraften Steuerhinterzieher wegen Vergewaltigung. In Schriftstücken finden sich Zitate des Weltfußballers über die angebliche Tat, mit denen Ronaldo sich selbst belastet. Zudem hat er der Frau ein Schweigegeld von 375.000 Dollar gezahlt.

Von seinem Verein Juventus Turin bis hin zu Portugals Ministerpräsidenten halten jedoch alle schützend die Hand über das Goldstück. Der Fußball propagiert zwar "Fair Play" und "Kein Platz für Rassismus", aber über einen möglichen prominenten Fall von sexueller Gewalt hat sich ein dicker Mantel aus betretenem Schweigen gelegt. Was für eine Heuchelei!