Thomas Müller, Sebastian Rudy und Mats Hummels auf der Ersatzbank der DFB-Elf
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Draufgehalten | 19.11.2018 - Jogi weiß es eben doch am besten

Der viermalige Fußball-Weltmeister Deutschland ist nun auch offiziell zweitklassig. Der Abstieg aus der Spitzengruppe der Nations League steht fest - schon vor dem abschließenden Spiel gegen die Niederlande. Ist aber nicht schlimm, behauptet Thomas Kroh in seiner Kolumne Draufgehalten.

Bis auf Herrn Löw haben alle anderen 83 Millionen Bundestrainer dieses Landes offensichtlich selig geschlummert, als das Grundprinzip des Trainings gelehrt wurde. Denn hätten wir aufmerksam gelauscht, wüssten auch wir, wie's funktioniert: Belastung - Ermüdung - Erholung - Leistungssteigerung.

Hätte der Herr Löw all die hochtalentierten, strammen jungen Burschen wie Havertz oder Sané im Sommer bei der WM verheizt, dann wären sie jetzt schwach wie eine Flasche leer und stünden für den personellen Umbruch bei der DFB-Auswahl nicht zur Verfügung. Dann hätte die deutsche Nationalelf selbst das Treffen am vergangenen Donnerstag mit dem russischen Kegelkommando garantiert vergeigt.

Stellen Sie sich die Schlagzeilen vor: "Fünfmaliger Weltmeister von Putins Aushilfstruppe vorgeführt!" Welch eine Blamage! Aber so weit ist es ja dank des klugen Herrn Löw nicht gekommen. Denn der weiß ja Bescheid über die Wechselwirkung von Reiz und Pause: Deshalb hat er bei der WM noch einmal die Alten auf den Rasen geschickt. Und gucken Sie sich jetzt die Müllers und Hummelsssse an; die sehen aus wie Grete Weiser auf dem letzten Gepäckmarsch und stolpern herum wie die Zombies in The Walking Dead. Wir haben ihn alle verkannt, den Herrn Löw, und müssen jetzt Abbitte leisten.

Und er hat nicht nur das Beste für die Zukunft des deutschen Fußballs getan, sondern auch viel für das Ansehen unseres Landes in der Welt. Die hassen uns ja alle! Die Griechen, weil Schäuble ihnen den Gürtel so eng geschnallt hat, dass sie unter Schnappatmung leiden, die Polen wegen unserer neuen Ostsee-Pipeline, die Europäer insgesamt wegen Frau Merkels Willkommensparty.

Die Chinesen können uns nicht ausstehen, weil wir uns lauthals in ihre Innenpolitik einmischen. Die Franzosen lachen über uns, weil Le President so tres chic dahintänzelt, während hierzulande Andrea Pippilotta  Nahles als neue Walz aus der Pfalz durch die politische Landschaft bulldozert, in einer Garderobe, die so aussieht als wäre sie mit einer Heckenschere geschneidert.

Und nun stellen Sie sich vor, der Herr Löw wäre auch noch mit einer jungen, begeisternden Elf ins WM-Finale nach Moskau gestürmt und hätte diesen Deutschen den fünften Stern vom Fußball-Himmel geholt. Das wäre zu viel für Mutter Erde gewesen. Die Welt stünde heute nicht am Abgrund, sondern wäre einen Schritt weiter. Aber nur der einzig wahre Bundestrainer hat das erkannt.