Sponsorenwand von Hertha BSC Berlin im Berliner Olympiastadion (Bild: imago/Ina Peek)
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Draufgehalten | 05.03.2018 - Ey Berlin, wie tief willste noch sinken?!

Die Berliner CDU will Sportanlagen nach Sponsoren benennen lassen. Welch ein Offenbarungseid der deutschen Bundeshauptstadt, meint Thomas Kroh in seiner Kolumne "Draufgehalten".

Von wegen "Arm, aber sexy"! Inkompetent, aber große Fresse. So müsste Berlins Motto lauten. Die Stadt brutzelt auf einem Höllenfeuer von gut 60 Milliarden Euro Schulden. Allein dem Bankenskandal unfähiger Möchtegern-Rothschilds verdankt sie Immobilienrisiken in Höhe von rund 20 Milliarden Euro.

Wegen der drohenden Finanz-Apokalypse wurde schließlich gespart, bis es quietschte. Und wann immer jetzt eine Tür aufgestoßen wird, klingt es, als öffnete Willi Schwabe seine Rumpelkammer.

So will Berlin bis zum Jahr 2026 mit fünfeinhalb Milliarden Euro seine verwüstete Schul-Landschaft wieder aufforsten. Das ist doppelt so viel Geld wie vor unendlich langer Zeit einmal für den Bau eines gewissen Großflughafens im märkischen Sande vorgesehen war, der allerdings das Dreifache dessen kosten wird, wenn denn die Problemtüren dieses Monuments allumfassender Unfähigkeit jemals aufschwingen sollten.  

Bis allerdings der Senat seinen Gebäudescan für jede Lehranstalt durchgeführt, alle Projekte priorisiert und einen Sanierungsfahrplan erstellt hat, dürfte noch so manch ein Dachziegel heruntergekommen und das eine oder andere Klo übergelaufen sein.

Berlins Bauverwaltung dürstet nach qualifiziertem Personal wie die Kalahari nach Regen in der Trockenzeit. Der "Investitions-Rückstau" bei Straßen und Brücken beträgt inzwischen 1,3 Milliarden Euro. Ein Konzept für ein Straßen-Management wurde jedoch schon vor zehn Jahren gestrichen.

Laut Senat müssen 75 Prozent des Wasserleitungsnetzes auf Vordermann gebracht werden, eine Milliarde Euro sind nötig, um alle U-Bahn-Anlagen zu frisieren. Könnte alles ein wenig dauern, denn der Personalbestand im öffentlichen Dienst wurde seit Anfang der 90er-Jahre auf gut die Hälfte runtergequietscht.

Das Ergebnis: Für einen Hochzeits-Termin sollten Sie am besten gleich wegen der Silbernen anfragen, bei der KfZ-Zulassungsstelle müssen sie so lange warten, dass ihr Auto nur noch eine Rostlaube ist, wenn sie endlich die Kennzeichen in den Händen halten, die Knackis spazieren aus dem Knast wie Heidi über den Catwalk, dafür sabotiert der Senat die Abschiebung ausreisepflichtiger Asylbewerber mittels Deutschkursen auf Staatskosten und er will eine Schutzordnung für freilaufende Katzen erlassen.

Aber wenn demnächst der Sportplatz Buschkrugallee Konnopke-Stadion heißt oder Sanitär-Reinigung-Schlawumke-Arena, denn is allet wieda jut! Ey Berlin, wie tief willste noch sinken?!

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
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