Hoffenheim nach dem Europa-League-Aus am 7.12.17 (Bild: Michael Weber/imago)
Michael Weber/imago
Bild: Michael Weber/imago

Montag, 11. Dezember 2017 - Die Bundesliga liegt am Boden

Die Bundesliga feiert sich als eine der stärksten Fußball-Ligen der Welt. Dabei ist sie international nicht mehr konkurrenzfähig, meint Thomas Kroh in seiner Kolumne "Draufgehalten“.

Oma hat immer gesagt, haste keine Ausrede kriegste Schacht - also ne Tracht Prügel. Nicht dass Oma je die Hand erhoben hätte. Gott bewahre, niemals! Erstens war sie eine herzensgute Frau, und zweitens ich ihr Lieblinksenkel. Sie hatte nämlich lange Zeit keinen anderen. Im Ernst, der Satz stammte aus ihrem unerschöpflichen Fundus an Lebensweisheiten und lehrte mich, immer einen Spruch parat zu haben, wenn es darum geht, den Kopf aus der Schlinge ziehen zu müssen.

Diese Worte von Omilein sind mir wieder einge … dingst - na - ääähm … gefallen, genau: eingefallen, als das Bla-Bla-Gefasel nach dem desaströsen Abschneiden der deutschen Klubs im Europa-Cup keine Ende nehmen wollte: Leipzig zu grün, Dortmunds Gruppe zu schwer, der Ball zu rund, die Linien zu weiß, das Tor zu eckig, die Stadionmugge too much Helene.

Alles Blödsinn, sechs der sieben angetretenen Bundesligisten sind ausgeschieden, mit Hoffenheim scheiterte ein Champions-League-Anwärter sogar beim Trost-Kick in der zweitklassigen Europa League - und zwar grandios als Gruppenletzter. Wer nach einer solchen Bilanz mit Niederlagen gegen Weltklubs wie Ludogorets Razgrad oder Östersunds FK immer noch davon spricht, die Bundesliga befinde sich auf Augenhöhe mit den Top-Ligen aus Spanien und England, der muss einen gewaltigen Knick in der Optik aufweisen.

Nicht nur, dass die Klub-Verantwortlichen mehr Ausreden parat haben als fähige Spieler auf dem Platz, auch viele Verkäufer der Ware Fußball - sprich Reporter - weigern sich, auf die Mängel ihres Produkts hinzuweisen. Kostet ja schließlich auch den einen oder anderen Euro, das unansehnliche Gebolze. Da juchzen sie lieber verzückt, wenn Stürmer A mit neufrisiertem Undercut aufläuft wie ein vom Rasenmäher überrollter Pudel und Verteidiger B bei der Farbe seiner Töppen von Kermitgrün zu Piggypink gewechselt ist, so dass sich unsereiner fragt, was Enie van de Meiklokjes - verdammt nochmal - in der Abwehr von Schalke zu suchen hat.

Einzig die Tatsache, dass die englischen Vereine mit ihren 2,3 Milliarden Euro Fernseh-Geld pro Saison den ohnehin winzigen Markt an halbwegs begabten Balltretern leerkaufen - zusammen mit ein zwei größenwahnsinnigen Öl-Scheichs - lass ich als Argument für das miserable Abschneiden der Bundesliga gelten. Wer bei KiK einkaufen muss, der wird dort schwerlich Haute Couture von Kalle Lagerfeld finden.

Aber das war es dann auch: Für die anderen - hausgemachten - Probleme gilt ein anderer Spruch von Oma: Erst mal an den eigenen Riechkolben fassen!  

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Hertha BSC - Olympiastadion (Bild: dpa)
dpa

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